Einkreisung Rußlands im hohen Norden: Die Arktis wird zur NATO-Front

Einkreisung Rußlands im hohen Norden: Die Arktis wird zur NATO-Front
Foto: Symbolbild

Brüssel/Moskau. Der Krieg am Persischen Golf und in der Ukraine ist noch nicht genug – längst bereitet die NATO auch im hohen Norden eine weitere Front gegen Rußland vor. Vor allem Jan Mayen, Grönland, Island und Nordskandinavien rücken in den Fokus der NATO-Planer. Auf der norwegischen Vulkaninsel Jan Mayen trainieren seit dem 26. August amerikanische, britische und norwegische Truppenverbände die Vernetzung von Sensoren, Führungsstellen und Waffen zu einem gemeinsamen „joint kill web“. Ziel ist die schnelle Erfassung und Bekämpfung gegnerischer Kräfte. Die Übung „Atlantic City“ findet rund 1.000 Kilometer vom norwegischen Festland entfernt statt.

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Strategisch liegt Jan Mayen nördlich der sogenannten GIUK-Lücke zwischen Grönland, Island und Großbritannien. Durch dieses Seeareal müssen russische Kriegsschiffe und U-Boote, wenn sie von der Kola-Halbinsel im russischen Norden in den Nordatlantik wollen. Mit „Arctic Sentry“ bündelt die NATO seit Februar zudem Überwachung, Truppenbewegungen und Übungen in der gesamten Arktis. Das Joint Force Command in Norfolk koordiniert sich dabei unter anderem mit dem kanadisch-amerikanischen NORAD-Kommando sowie dem US Northern und European Command. Sieben der acht Arktis-Anrainerstaaten gehören inzwischen der NATO an.

Welche strategische Bedeutung die Region für das westliche Bündnis besitzt, unterstrich dieses bereits mit der Übung „Cold Response 2026“. Unter diesem Motto beteiligten sich im März 32.500 Soldaten aus 14 NATO-Staaten an dem Manöver in Nordnorwegen und Nordfinnland sowie auf See und in der Luft. Auch der Cyberraum und der Weltraum wurden in die Übung miteinbezogen.

Moskau betrachtet die Entwicklung als Aufbau einer neuen Front und ist zu Recht mißtrauisch. Außenminister Sergej Lawrow warnt vor dem zunehmenden Risiko militärischer Zwischenfälle. Gleichzeitig verfügt Rußland selbst über umfangreiche Kräfte in der Arktis: die Nordflotte, strategische U-Boote, Bomber, Raketenstellungen und modernisierte Stützpunkte sichern die Region.

Parallel zur sich aufschaukelnden militärischen Konkurrenz entstehen neue Wirtschaftsverbindungen. Am 19. August erreichte erstmals ein chinesisches Containerschiff über die Nordmeerroute Murmansk. Rußland will den Transport entlang seiner Arktisküste gemeinsam mit China ausweiten; auch Indien interessiert sich stärker für Rohstoffprojekte und die Nordost-Route.

Damit verändert sich die wirtschaftliche Landkarte ebenso wie die militärische. Vor allem aber wird der arktisnahe Raum zusehends zum weiteren Aufmarschgebiet der neuen Blockkonfrontation. (he)

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