Der Tag danach: Schockstarre im Inland, klare Worte im Ausland
Magdeburg/Berlin/London. Die AfD hat am Sonntag Geschichte geschrieben: erstmals erreichte sie bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt knapp 44 Prozent und wurde damit mit Abstand stärkste politische Partei; die absolute Mehrheit verfehlte sie nur noch knapp. Bei Medien und Etablierten herrscht jetzt das nackte Entsetzen: denn was in Sachsen-Anhalt möglich war, kann sich auch bei weiteren Wahlgängen wiederholen – schon am 20. September stehen die Wahlen zum Berliner Abgeordnetenhaus und zum Landtag in Mecklenburg-Vorpommern an.
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Wolfgang Kubicki, Bundesvorsitzender der FDP, die nur noch auf 2,1 Prozent kam, schrieb auf X: „Das ist nicht das Ergebnis, das wir uns gewünscht haben.“ Die Partei habe es nicht geschafft, „die berechtigte Enttäuschung über die CDU“ aufzufangen. Das Resultat sei eine Abrechnung „insbesondere mit der Politik der Bundesregierung.“
Der frühere Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) sprach von einer „Klatsche“ und nannte das Ergebnis „schlimmer als alle Befürchtungen“. Kanzleramtsministerin Nina Warken (CDU) erklärte im ZDF: „Dieses Ergebnis ist eine Zäsur.“ Für die Bundesregierung sei es ein „sehr schwieriges Ergebnis“.
Geradezu hysterisch reagierte Charlotte Knobloch, Vorsitzende der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern. „An Tagen wie diesem fällt es mir schwer, meine Heimat noch wiederzuerkennen. Daß Rechtsextreme in Deutschland in dieser Art wieder Wahlen gewinnen, das hätte ich mir in meinen schlimmsten Albträumen nicht vorstellen können“, sagte die 93jährige.
Während bei inländischen Kommentatoren noch Fassungslosigkeit herrscht, sind ausländische Beobachter zurückhaltender und konzentrieren sich stärker auf die politischen Folgen des AfD-Durchmarsches. CNN spricht von einem „großen Fortschritt“ für die AfD auf dem Weg zur nationalen Macht und einem Rückschlag für die Koalition unter Friedrich Merz. Das Ergebnis sei „ein weiterer Schlag für die Autorität von Merz“, dessen Popularität gesunken sei.
Die britische BBC nennt AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund einen „charismatischen Kandidaten“ und verweist zugleich auf die historische Dimension einer möglichen Regierungsbeteiligung: seit dem Zweiten Weltkrieg habe keine „rechtsextreme“ Partei ein Bundesland kontrolliert. „The Guardian“ bezeichnete die Wahl als „bislang größten Härtetest für Merz“ und erwartet bei einem AfD-Sieg „enormen Druck“ auf den Kanzler. Die „Daily Mail“ wiederum spricht von einem Wahlsieg, der Deutschland „erschüttern“ werde, und verweist auf den deutschen Umgang mit der Vergangenheit.
Klare Unterstützung signalisierte unterdessen der schon länger mit der AfD sympathisierende Tech-Milliardär Elon Musk – er hat unverzüglich zum Sieg in Sachsen-Anhalt gratuliert. „Gut gemacht!“, schrieb er auf seiner Online-Plattform X als Kommentar zu einem Beitrag von AfD-Chefin Alice Weidel, in dem diese Spitzenkandidat Ulrich Siegmund beglückwünscht hatte. Dieser dankte Musk und fügte auf Englisch hinzu: „Wenn wir hier Verantwortung übernehmen, würde ich die Gelegenheit zu einer starken und konstruktiven Zusammenarbeit sehr begrüßen. Deutschland wäre dann wieder ein Standort, in den es sich zu investieren lohnt. Beste Grüße aus Sachsen-Anhalt!“
Auch der früher in Berlin stationierte US-Botschafter Richard Grenell, der wie Musk enge Verbindungen zu US-Präsident Donald Trump pflegt, gratulierte der AfD auf X. „Ein großer Sieg und ein neuer Tag in Deutschland“, schrieb Grenell. (mü)
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Kommentare 2
Längst bedient die AfD sich bei Menschen, die weit entfernt davon sind rechtsradikal zu sein. Eigentlich kann die AfD heute erzählen was sie will. Die Mehrheit der Menschen interessiert Politik nicht besonders. Die wollen so gut wie möglich leben und CDU, SPD und Grüne vermitteln nicht mehr, dass sie das im Angebot haben. Wähler müssen zurückgewonnen, nicht zu Rechtsradikalen erklärt und abgeschrieben werden.
Die Kommentare zeigen wieder einmal den Unterschied zwischen dem Inland und dem Ausland.Bei uns jammern jetzt die etablierten Parteien und ihre "Volksvertreter" über eine nie da gewesene politische "Klatsche" der AFD. Wer hat systematisch diese Partei auf Bundesebene ausgegrenzt,alle Ämter in den Ausschüssen und alle Stellvertreter des Bundestagspräsidenten bewusst boykottiert? Alles wurde blockiert. Richtig" Es waren die alten Eliteparteien,die jetzt im Regen stehen. Wer im Bundestag eine demokratische Partei dermaßen ausgrenzt,braucht sich deshalb nicht zu wundern,wenn der Schuss nach hinten losgegangen ist. Man kann Millionen Wählerinnen und Wähler nicht ausgrenzen. Das spüren auch die Ausländer in Europa,in USA und selbst in Asien.Diese sind nicht so dumm um zu begreifen, wie das einst stolze und wirtschaftliche Deutschland langsam aber sicher den Bach heruntergeht. Unser" Möchtegern-Kanzler" wollte eigentlich die AFD halbieren,jetzt halbierte die AFD diesselbe gloreiche CDU in ihre Einzelteile.Das war jetzt der erste Schuss vor den Bug.Weitere werden folgen. Und das ist gut so. Wenn die CDU weiterhin so agiert und sich von der SPD am Nasenring durch die Manege ziehen läst,wird sie in die Bedeutungslosigkeit versinken. Das weiß übrigens auch Trump, der sich ebenfalls freuen wird.