Ein kluger Kopf in Brüssel: Jeffrey Sachs fordert Ende der NATO
Brüssel. Der US-Ökonom Jeffrey Sachs hat im Europäischen Parlament in Brüssel einen grundlegenden Kurswechsel der europäischen Politik verlangt und dabei drastische Vorschläge in den Raum gestellt. Europa müsse sich von Washington lösen, die NATO auflösen und eine eigenständige Friedenspolitik gegenüber Moskau entwickeln. Seine schärfste Kritik galt dem Ukraine-Krieg: „Europa tötet die Ukraine“, erklärte der frühere Regierungsberater. Die Vorstellung, Rußland militärisch besiegen zu können, sei angesichts des russischen Atomwaffenarsenals brandgefährlich. Weitere Waffenlieferungen aus Europa werden die Ukraine seiner Ansicht nach nicht retten können.
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Für die Eskalation im Verhältnis zu Rußland machte Sachs vor allem die NATO-Osterweiterung und die amerikanische Außenpolitik verantwortlich. Der Krieg hätte verhindert werden können, wenn Washington die russischen Sicherheitsforderungen von 2021 ernst genommen hätte. Als Ausweg schlug er eine dauerhaft neutrale Ukraine nach österreichischem Vorbild vor.
Auch die Wirtschaftspolitik der EU griff Sachs scharf an. Die Sanktionen gegen Rußland hätten Europa selbst geschadet und insbesondere die deutsche Industrie durch hohe Energiepreise geschwächt. Er plädierte dafür, die Nord-Stream-Pipelines zu reparieren und den Handel mit Moskau wieder aufzunehmen. Bundeskanzler Friedrich Merz bezeichnete Sachs als Kriegstreiber, US-Präsident Donald Trump als gefährlich und politisch unfähig.
Seine Kritik will der Ökonom vor dem Hintergrund eines umfassenderen geopolitischen Wandels verstanden wissen. Die westliche Vorherrschaft gehe ihrem Ende entgegen, während China, Indien und weitere aufstrebende Staaten wirtschaftlich an Bedeutung gewännen. Europa müsse sich auf die veränderte Weltordnung einstellen, statt neue Feindbilder zu schaffen. Gefordert seien eine eigenständige Diplomatie, direkte Verhandlungen mit Rußland und Zusammenarbeit mit den großen Mächten – unabhängig von den Vorgaben Washingtons. (mü)
Bild: Pixabay/gemeinfrei
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