Editorial 9/2026

Editorial 9/2026
Foto: Symbolbild

Sehr geehrte Leser,

dieser Tage ist in der deutschen Medienlandschaft wieder viel von Krieg die Rede. Angesichts der quälenden Pattsituation im Konflikt zwischen Rußland und der Ukraine befürchten viele Experten, eine Seite könnte mit einer gezielten Eskalation den Befreiungsschlag wagen und durch die derzeitige Bündnispolitik noch weitere Staaten zur aktiven Kriegspartei machen. Bekräftigt wurden diese Bedenken durch ein kürzliches Interview des Springer-Chefs Mathias Döpfner mit dem serbischen Präsidenten Aleksandar Vučić. Der Putin-Vertraute ließ keine Zweifel an seiner Einschätzung, „daß wir am Anfang eines größeren Krieges stehen".

Parallel zu diesen Mahnungen ist der „hybride Krieg" geradezu zum Modebegriff avanciert. Dahinter verbirgt sich eine Grauzonen-Taktik, etwa mit Sabotageakten oder Cyberangriffen, bei der die Grenzen zwischen Krieg und Frieden zunehmend verschwimmen. Als Indiz für dessen Präsenz werden etwa Drohnensichtungen herangezogen. Am Flughafen Leipzig/Halle wurde Anfang August gar ein Exemplar entdeckt, an dem Sprengstoff befestigt war. Durch Politik und Medien geht seither ein Raunen, Rußland dürfte dahinterstecken. Bewiesen werden konnte das bisher nicht.

Bedenklich sind diese Vorfälle allemal, und es ist längst eine Binse, daß die Bundesrepublik Deutschland über Jahrzehnte wichtige Investitionen in die moderne Landesverteidigung verschlafen hat. Tatsache ist jedoch, daß ein anderer Krieg längst hier ist: der Krieg auf unseren Straßen. Es ist ein Krieg mit vielen Fronten, ein irregulärer Krieg, ohne klar gekennzeichnete Kombattanten. Im Zentrum der Gefechte stehen migrantisch geprägte Gruppen, die um die Vorherrschaft in einem Viertel, im Drogenmilieu oder in einem anderen Bereich der organisierten Kriminalität konkurrieren. Der Einsatz von Waffen ist dabei inzwischen die Regel.

Mehr als 80 Jahre nach Kriegsende erlebt vor allem Berlin eine wahre Kesselschlacht. Allein die Fälle von Schußwaffenkriminalität wurden dort im vergangenen Jahr auf 1.119 beziffert – ein Anstieg um 68 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Es habe zudem einen „sprunghaften Anstieg" sichergestellter halbautomatischer Waffen gegeben, so die zuständige Justizsenatorin Felor Badenberg (SPD).

Die Taten verlagern sich dabei zunehmend aus den dunklen Ecken der Hauptstadt in das alltägliche Leben der Menschen. Der Berliner Tagesspiegel meldete Anfang August „blutige Gefechte" im hippen Kreuzberger Graefekiez. Am belebten Bahnhof Zoo wurde wenige Tage darauf ein arabisches Clan-Mitglied auf offener Straße erschossen. Auch die im vergangenen Jahr gegründete polizeiliche Sondereinheit „Ferrum", die speziell auf die bewaffnete Bandenkriminalität angesetzt wurde, scheint keine Trendwende bewirkt zu haben.

Die Reaktionen aus der Politik sind so altbekannt wie hilflos. Zu den ausufernden Schießereien sagte die Berliner Innensenatorin Iris Spranger, es sei „eine klare rote Linie überschritten" und: das Waffenrecht solle nun weiter verschärft werden. Daß der überwiegende Teil der verwendeten Waffen auch heute bereits illegal ist, scheint die Kriminellen wenig zu stören. Für einen Staat, der solche Zustände in seiner eigenen Hauptstadt dauerhaft duldet, dürften „hybride" Attacken von außen das geringste Problem sein.

Mit freundlichen Grüßen

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