Editorial 6/2026

Editorial 6/2026
Bild: Privat

Sehr geehrte Leser,

wer einen Eindruck davon gewinnen will, wie es in diesen Tagen um die Deutungshoheit des politmedialen Establishments in der Bundesrepublik Deutschland bestellt ist, der muß sich nur einmal die öffentliche Debatte der letzten Wochen über den Podcast {ungeskriptet} by Ben zu Gemüte führen. Dessen Moderator Benjamin Berndt hatte es gewagt, den AfD-Politiker Björn Höcke einzuladen und ihn über rund viereinhalb Stunden ausführlich zu Wort kommen zu lassen.

Daß ausgerechnet Höcke frei sprechen darf, der „Teufel der Nation“, wie er sich selbstironisch titulierte, läßt die Mächtigen in Politik und etablierten Medien schäumen. Immer wieder waren dieselben Floskeln zu hören: Berndt habe Höcke „eine Bühne geboten“, ihn nicht „kritisch eingeordnet“. Dabei leben Podcasts wie dieser gerade von der nahezu monumentalen Ausführlichkeit und der demonstrativen Lockerheit des Gesprächs. Der Gastgeber ist in den meisten Fällen eher Stichwortgeber und hält den Redefluß des Gastes am Laufen, statt ihm bei jeder sich bietenden Gelegenheit ins Wort zu fallen. Ben Berndt hat es sich von Beginn an zur Aufgabe gemacht, seinen Gästen vorurteilsfrei zu begegnen und sie auch bei kontroversen Aussagen nicht zu zwingen, sich im Sinne des „progressiven“ Zeitgeistes moralisch zu rechtfertigen. Der US-amerikanische Sportmoderator Joe Rogan hat seine eigene Sendung mit diesem Rezept zum erfolgreichsten Podcast der Welt gemacht. Auch vergleichbare Formate erzielen international millionenfache Aufrufe. So nun auch die Höcke-Folge von {ungeskriptet}. Zum Redaktionsschluß verzeichnete sie allein auf YouTube knapp fünf Millionen Zugriffe. Hinzu kommen unzählige Klicks bei Spotify und auf Videoschnipsel, die bei TikTok unmittelbar viral gingen.

Der Hype um das ellenlange Gespräch der beiden Männer ist wirklich erstaunlich, zumal Höcke für die Zuhörer, die sein politisches Wirken schon länger verfolgen, wenig Neues zu bieten hat. Seine Ausführungen wirken eher wie eine audiovisuell festgehaltene Autobiographie. Aufgeräumt, authentisch, nahbar, aber irgendwie schon altbekannt. Der eigentliche Katalysator für die Popularität der Sendung war nicht der Thüringer AfD-Chef, sondern waren vielmehr seine Gegner in Presse und Politik.

Die ehemalige SPD-Chefin Saskia Esken rief in den sozialen Medien zum Boykott gegen den Podcaster auf. Sie empfahl Werbetreibenden, über sogenanntes „Blacklisting“ gezielt Formate auszuschließen, „die sie mit ihrer demokratischen Grundhaltung nicht vereinbaren können“. Beim Spiegel schnüffelte man in Antifa-Manier im Vorleben von Benjamin Berndt und legte jede seiner Gefühlsregungen auf die Goldwaage. Am Ende kam man zu dem wenig überraschenden Urteil, daß die „Gesamtausrichtung“ der Gespräche des Influencers „klar rechtslastig“ sei.

Diese hysterischen Sabotageversuche offenbaren nicht nur das merkwürdige Verständnis von demokratischer Meinungsbildung, das Höckes Gegnern zu eigen ist, sondern angesichts der immer höher kletternden Aufrufzahlen des Interviews auch ihre zunehmende Machtlosigkeit. Den „Türstehern der öffentlichen Meinung“, wie der Zeit-Journalist Ijoma Mangold sie bezeichnete, entgleitet zunehmend ihr Hausrecht, und der gigantische Zuspruch, der Formaten wie {ungeskriptet} zuteil wird, zeigt, wonach sich viele Menschen im Land sehnen: einer offenen Debatte und freier Meinungsbildung, ohne „betreutes Denken“.

Mit freundlichen Grüßen

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