Editorial 10/2026

Editorial 10/2026
Bild: Privat

Sehr geehrte Leser,

bereits vor 25 Jahren klagte man über den „Pisa-Schock“. Heute kann es eigentlich kein Schock mehr sein, wenn die Macher der Bildungsstudie einen neuen Negativrekord für 15jährige deutsche Schüler verkünden. Man könnte fast von einer Pisa-Resignation sprechen, die sich in den Lehrinstituten und in der bundesweiten Bildungspolitik breitgemacht hat. Die Ergebnisse des internationalen Bildungsvergleichs schreiben einen Negativ-Trend fort, der spätestens seit 2012 keine Lichtblicke mehr zu bieten hat.

Es wäre unredlich, die Schuld für das desaströse Abschneiden der deutschen Schüler bei den Lehrern abzuladen. Freilich gibt es auch schlechte Lehrer, aber die hat es zu allen Zeiten gegeben, und es gibt sie auf der ganzen Welt. Für die Mehrheit der Lehrkräfte steht das Fortkommen ihrer Schüler an erster Stelle. Es sind die politischen Rahmenbedingungen, die ihnen das Alltagsgeschäft verhageln und jeden noch so elaborierten Lehransatz zum Scheitern verurteilen.

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) führt einen gewichtigen Teil des Rückgangs der hiesigen Lernleistungen auf die anhaltende Masseneinwanderung zurück. „Dieser Trend wäre weniger deutlich gewesen, wenn der Anteil der Schüler mit Migrationshintergrund nicht größer geworden wäre“, heißt es in der aktuellen Pisa-Studie. Zwei riesige Wellen von Schülern ohne adäquate Sprachkenntnisse und Vorbildung, 2015 aus Syrien und 2022 aus der Ukraine, haben einen Unterricht auf dem erforderlichen Standard nahezu unmöglich gemacht.

Aber auch die allgemeine Form der Lehrinhalte weist erkennbare Defizite auf: Es wird in der Bildungspolitik zu wenig über die Vermittlung von Wissen und zu viel über moderne Konzepte schwadroniert, die den Schülern „Kompetenzen“ nahebringen sollen. Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes Stefan Düll brachte es im Gespräch mit der Bild auf den Punkt: „Wir haben vernachlässigt, daß es eben grundlegendes Fachwissen gibt, das wir unbedingt brauchen, um Kompetenzen dann in der Wirklichkeit, außerhalb der Schule, unmittelbar umsetzen zu können.“ Es bringe nichts, grundsätzliche Probleme verstanden zu haben, wenn einem anschließend etwa das mathematische Handwerkszeug fehlt, um einfache Rechenoperationen im Alltag vornehmen zu können.

Die Ersteller von Lehrplänen tun so, als seien Schüler verkopfte, fachlich überqualifizierte Akademiker, die an alltäglichen Aufgaben zu scheitern drohen, weil es ihnen an lebensweltlichen Erfahrungen fehlt. Genau das Gegenteil ist jedoch zutreffend: Kinder und Jugendliche werden heute extrem früh an die digitale Welt und gesellschaftliche Problemlagen herangeführt. In einer Lebensphase, in der sie vor ein bis zwei Generationen noch mit Puppen und Modelleisenbahnen gespielt hätten, sind sie bereits mit den Tücken des Internets vertraut und wissen, was ihre Altersgenossen auf dem gesamten Globus bewegt. Um das jedoch in den Kontext setzen und für sich die adäquaten Schlüsse daraus ziehen zu können, benötigt man nun einmal eine gewisse Grundbildung. Weder mehr Einwanderung noch eine längere Lebensarbeitszeit werden einen Aufwärtstrend in Deutschland bewirken. Der Ausbildung unserer Jugend muß endlich Vorrang eingeräumt werden.

Mit freundlichen Grüßen

Andreas Karsten, Chefredakteur

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