Die Gräben werden tiefer: Nur noch 16 Prozent sehen die USA als Verbündete

Die Gräben werden tiefer: Nur noch 16 Prozent sehen die USA als Verbündete
Foto: Symbolbild

Berlin/Brüssel. Europa und die USA driften auseinander. Eine aktuelle Erhebung des European Council on Foreign Relations (ECFR) läßt einen tiefgreifenden Stimmungswandel in Europa erkennen. Nur noch magere 16 Prozent der Befragten betrachten die Vereinigten Staaten als echten Verbündeten, der gemeinsame Interessen und Werte vertritt. Nach anderen Auswertungen sinkt der Anteil der Europäer, die Washington als Verbündeten einstufen, inzwischen sogar in Richtung der Zehn-Prozent-Marke.

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Rund die Hälfte der Befragten sieht die USA lediglich noch als notwendigen Partner, mit dem man aus strategischen Gründen zusammenarbeitet. Jeder Fünfte betrachtet die Vereinigten Staaten dagegen bereits als Rivalen oder Gegner. In Deutschland, Frankreich und Spanien nähert sich dieser Wert 30 Prozent. In der Schweiz liegt er sogar bei 39 Prozent.

Die Entwicklung erfaßt mittlerweile auch Staaten, die lange als verläßliche Stützen des transatlantischen Bündnisses galten. Selbst in Polen und Dänemark überwiegt mittlerweile die Einschätzung, die USA seien eher ein Zweckpartner als ein enger Verbündeter. Nach Angaben des ECFR hat sich diese Verschiebung insbesondere seit der Rückkehr Donald Trumps ins Weiße Haus beschleunigt.

Die Denkfabrik beschreibt die europäische Öffentlichkeit als „Archipel“ – eine zunehmend zersplitterte Meinungslandschaft. Die größte Gruppe bilden die sogenannten „Euro-Hawks“ mit 28 Prozent. Sie treten für höhere Verteidigungsausgaben und mehr europäische Eigenständigkeit ein. Auf sie folgen die „Euro-Doves“ mit 21 Prozent, die zwar europafreundlich, aber militärischen Aufrüstungsplänen gegenüber skeptisch sind. Nur noch 12 Prozent zählen zu den „Atlanticists“, die weiterhin an der jahrzehntelangen Allianz mit Washington festhalten.

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Als Ursachen für den Vertrauensverlust werden wirtschaftliche, politische und militärische Entwicklungen genannt. Viele Europäer verbinden die USA mit Zöllen, Sanktionen, milliardenschweren Industrieprogrammen wie dem „Inflation Reduction Act“ sowie steigenden Anforderungen an die NATO-Partner. Hinzu kommt die Wahrnehmung, daß Washington seine eigenen Interessen konsequent verfolgt.

Die Umfrage deutet damit auf eine wachsende Diskrepanz zwischen der außenpolitischen Linie vieler europäischer Regierungen und den Ansichten ihrer Bürger hin. (mü)

Bild: Pixabay/gemeinfrei

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Kommentare 1

Mark

Ein Verbündeter ist Washington noch niemals in der Geschichte gewesen. Niemandem gegenüber. Es war grundsätzlich alles erstmal ein Geschäft, das in erster Linie auf den Vorteil der USA hinauslief. Ob das nun Handelsverträge, militärische Bündnisse oder sonst irgendwas waren, spielte dabei keine Rolle. Die Rechnung wurde immer von anderen beglichen. Im Grunde genommen waren das immer eingeforderte Besatzer-Kosten, egal ob offen oder versteckt hinter diplomatischen Machenschaften im Hintergrund.

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