Deutsche Behörden identifizieren mutmaßliche Täter des Drohnenangriffs - Spur weist nach Rußland

Deutsche Behörden identifizieren mutmaßliche Täter des Drohnenangriffs - Spur weist nach Rußland
Foto: Symbolbild

Nach dem Drohnenangriff auf den Flughafen Leipzig/Halle am 4. August können deutsche Sicherheitsbehörden zwei mutmaßliche Täter mit hoher Wahrscheinlichkeit benennen. Einer der beiden, der für die logistische Vorbereitung verantwortlich gewesen sein soll, wird dem russischen Militärgeheimdienst GRU zugeordnet. Das geht aus bislang geheimen Ermittlungsunterlagen und Gesprächen mit hochrangigen Sicherheitsbeamten hervor, über die WELT AM SONNTAG morgen berichtet. Rußland weist jede Beteiligung zurück.

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Nach Informationen aus Sicherheitskreisen handelt es sich bei den Hauptverdächtigen um den weißrussischen Staatsangehörigen Andrei Ka. und den russischen Staatsbürger Oleg Le. Letzterer soll die Vorbereitung und Logistik organisiert haben und wird dem Umfeld des GRU zugerechnet.

Le. reiste über die Türkei am Flughafen Berlin-Brandenburg (BER) nach Deutschland ein und verließ das Land später über denselben Flughafen in Richtung Serbien. Inzwischen hält er sich wieder in Rußland auf. Den Behörden war bei der Einreise bereits bekannt, dass er dem GRU-Umfeld zugerechnet wird; eine Observation erfolgte dennoch nicht.

Von den drei eingesetzten Drohnen sollen zwei bereits beim Start zerstört worden sein. Die dritte erreichte die Antonow-Maschine, detonierte jedoch nicht. Nach Erkenntnissen der Ermittler waren insgesamt rund 1,8 Kilogramm des Sprengstoffs Semtex vorgesehen. Die Maschine war mit etwa 25.000 Litern Kerosin betankt. Eine Detonation hätte nach Einschätzung der Behörden eine massive Explosion auslösen und Teile des Flughafens zerstören können. Der Sprengstoff war in einer Gemüsedose verbaut; die Explosion blieb aus, weil ein Zünder abriss. Überwachungskamera-Aufnahmen zeigen die Drohne unmittelbar neben dem Flugzeug.

Die Ermittler kamen den Verdächtigen über DNA-Spuren auf die Spur. An einer Antennenkonstruktion, die zur Steuerung der Drohne gedient haben soll, fanden Kriminaltechniker Handschuhreste mit DNA-Anhaftungen. Diese Spuren waren zuvor bereits in Finnland und Litauen registriert worden, wo Ka. wegen allgemeinkrimineller Delikte, darunter Diebstahl, aktenkundig ist. Polnische Behörden bringen Ka. zudem mit einem Brand in einem Baumarkt in Łódź im Sommer 2024 in Verbindung, der als Sabotage eingestuft wird und ebenfalls Spuren nach Rußland aufweist. Das Auftauchen Ka.s im Leipziger Fall wird als weiteres Indiz für eine mögliche Steuerung durch russische Stellen gewertet.

Der eingesetzte Sprengstoff soll über Bulgarien und Serbien nach Deutschland gelangt sein. Ermittler gehen davon aus, daß er in Hohlräumen von Lastwagen transportiert und anschließend in Erddepots versteckt wurde. Mehrere mögliche Verstecke im Umland des Leipziger Flughafens konnten die Behörden nach Auswertung der Daten eines von den Tatverdächtigen genutzten Mietwagens lokalisieren.

Die Erkenntnisse bilden die Grundlage dafür, dass Außenminister Johann Wadephul (CDU) und Innenminister Alexander Dobrindt (CSU) vor etwa eineinhalb Wochen in einer gemeinsamen Pressekonferenz Rußland für die Attacke verantwortlich gemacht haben. Die Ermittlungen dauern an. (se)

Bild von Alex auf Pixabay/gemeinfrei

Quellenverweis: Die Darstellung stützt sich auf die Berichterstattung der WELT AM SONNTAG, die geheime Ermittlungsunterlagen einsehen und mit hochrangigen Sicherheitsbeamten sprechen konnte.

Anm. d. Red.: Eine alternative Sichtweise finden Sie hier: Leipziger Drohnenvorfall: War alles ganz anders?

 

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