Daten-Leak zeigt: Polizeidrohnen überwachen alles und jeden
San Francisco. Verschwörungstheoretiker sehen sich einmal mehr bestätigt: in San Francisco ist ein massives Datenleck bekannt geworden, das zeigt, wie die Polizei Drohnen zur lückenlosen Beobachtung des Stadtgebiets einsetzt. Dabei nimmt sie nicht nur Verdächtige oder flüchtige Ganoven ins Visier, sondern auch jede Menge ganz „normaler“ Bürger.
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Die Aufnahmen, die eigentlich unter Verschluß bleiben sollten, gelangten durch einen ungeschützten Web‑Link ins Internet. Die IT‑Sicherheitsforscher Sam Curry und Maik Robert stießen zufällig darauf und konnten ohne Paßwort in Echtzeit dabei zusehen, wie die Polizei Fahrzeuge verfolgte, Personen observierte und Zugriffe koordinierte.
Die geleakten Videos dokumentieren Drohneneinsätze, bei denen ein Skydio‑X10‑Quadcopter rund 60 Meter über einem Wohnkomplex schwebt und einen Mann hinter einem Auto filmt. Weitere Drohnen übernehmen die Verfolgung aus anderen Winkeln, während Einsatzkräfte am Boden agieren. Die Geräte bleiben in dieser Höhe für Passanten unsichtbar und unhörbar. Laut der US-Computerzeitschrift „WIRED“ waren die Live‑Feeds monatelang frei zugänglich, weil ein interner Link in einer öffentlichen Datenbank landete.
Das San Francisco Police Department (SFPD) erklärte, der Link sei „rein für interne Zwecke gedacht“ gewesen und „unrechtmäßig erlangt“ worden. Tatsächlich handelte es sich um einen banalen Programmierfehler. Die offiziellen Richtlinien der Polizei sehen vor, daß ihre inzwischen 98 Drohnen nur bei akuter Gefahr oder zur Verfolgung von Straftätern eingesetzt werden. Die Videos zeigen jedoch, daß die fliegenden Kameras massenhaft unbeteiligte Personen ohne jeden Anlaß erfassen. In einer Szene an einer Kreuzung zählte eine Software 34 Menschen im Bild. Die Gesichter sind klar erkennbar. Ein Sicherheitsexperte sagte gegenüber „WIRED“: „Wenn man einen Live‑Drohnen‑Feed ansieht, kann man in Dutzende Wohnungen blicken, man sieht, wie die Polizei an Menschen heranzoomt.“
Die Aufnahmen zeigen auch Drohnen, die minutenlang in Fenster eines Hochhauses filmen oder einzelne Personen auf Hausdächern beobachten. Selbst junge Männer, die nach einer Polizeikontrolle lediglich auf einem Basketballplatz spielen, bleiben weiter im Fokus der Kameras.
Der Fall ist eine drastische Warnung. Die geleakten Daten verdeutlichen, daß die von Behörden eingesetzte Überwachungstechnik nicht nur punktuell arbeitet, sondern große Bereiche des öffentlichen Raums erfaßt. Zusammen mit Gesichtserkennung und automatisierter Auswertung entsteht ein System, das Bewegungen und Aktivitäten lückenlos dokumentieren kann. Davor warnen Kritiker seit langem. Mit KI und der Überwachungssoftware von Palantir, die auch in Deutschland bei einigen Länderpolizeien zum Einsatz kommt, ist das Problem akut geworden. (mü)
Bild: Pixabay/gemeinfrei
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