Benzin 37 Prozent teurer als vor einem Jahr: Inflation auf Dreijahreshoch
Wiesbaden/Berlin. Es kann eigentlich niemanden überraschen: die Inflation in Deutschland hat im September 2026 mit 3,3 Prozent den höchsten Stand seit drei Jahren erreicht. Haupttreiber sind die Energiepreise, insbesondere Benzin, Diesel und Heizöl. Die Entwicklung könnte sich zeitversetzt auf zahlreiche weitere Waren und Dienstleistungen auswirken.
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„Verantwortlich für den Anstieg der Inflationsrate war erneut die Entwicklung der Energiepreise“, erläuterte die Präsidentin des Statistischen Bundesamtes, Ruth Brand. „Besonders zeigte sich die Teuerung bei Mineralölprodukten an den Tankstellen und beim Heizöl.“
Benzin und Diesel verteuerten sich gegenüber September 2025 um 37,1 Prozent, leichtes Heizöl sogar um rund 75 Prozent. Auch Brennholz, Holzpellets und andere feste Brennstoffe kosteten mit einem Plus von 15,6 Prozent deutlich mehr. Strom wurde dagegen um 5,5 Prozent günstiger, Erdgas um 2,8 Prozent und Fernwärme um ein Prozent.
Die steigenden Kraftstoffpreise belasten zwangsläufig auch Transport und Logistik. Die Beförderungskosten erhöhten sich bereits um fünf Prozent. Bei Frischgemüse betrug der Preisanstieg rund zwölf Prozent, bei Eiern etwa 15 Prozent. Industrie- und Konsumgüter reagieren gewöhnlich verzögert: wegen langfristiger Aufträge und des Wettbewerbs geben Hersteller und Händler höhere Kosten häufig erst nach drei bis sechs Monaten weiter. Bis dahin müssen sie die Mehrbelastung teilweise aus ihren Gewinnmargen finanzieren.
Als Ursache der jüngsten Energieverteuerung gilt die Blockade der Straße von Hormus seit Beginn des US-israelischen Krieges gegen Iran. Zwar hätte die Bundesregierung mit dem Direktimport russischen Erdöls oder Dieselöls eine Alternative, doch diese schließt sie aus politisch-ideologischen Gründen hartnäckig aus. Den Preis für die Verbohrtheit zahlen die Bürger.
Und es gibt noch einen weiteren Preistreiber: die zunehmende Verknappung an Industrieschwefel – auch sie eine Folge der strapazierten Lieferketten infolge des Krieges in der Ukraine und der blockierten Meerengen im Mittleren Osten. Da vor dem Iran-Krieg etwa die Hälfte der weltweiten Schwefelvorräte durch die Straße von Hormus transportiert wurde, sind die Preise inzwischen auf fast das Zehnfache des Vorkriegsniveaus gestiegen.
Hinzu kommt, daß die Düngemittelbranche inzwischen mit Bergbauunternehmen um die knappen Schwefelvorräte konkurrieren muß. Letztere erzielen dank hoher Metallpreise Rekordgewinne und können mehr bezahlen. Raghav Jain von der Rohstoffanalyseagentur Argus erklärte laut „Financial Times“, der Bergbausektor sei dabei, den Preiskampf zu gewinnen. Andy Jung, Sprecher des Konzerns Mosaic, warnt vor den Folgen: „Dies wird erhebliche Auswirkungen auf die weltweiten Ernteerträge haben, was wiederum zu einem starken Anstieg der Lebensmittelpreise führen wird.“ (se)
Bild: Pixabay/gemeinfrei
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