Auffallende Diskrepanzen: Kostete die Briefwahl die AfD die absolute Mehrheit?
Magdeburg. Kaum ist die mit Spannung erwartete Landtagswahl in Sachsen-Anhalt vorüber, macht ein unguter Verdacht die Runde: könnte es sein, daß die Briefwahl die AfD um ihre absolute Mehrheit gebracht hat?
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Für diese Vermutung gibt es einen plausiblen Grund: zwischen Urnenwahl und Briefwahl klaffen auffallende, aber durchgehende Unterschiede. Die AfD, die aus der Wahl mit knapp 44 Prozent als haushohe Siegerin hervorging, erreichte bei den persönlich abgegebenen Stimmen 51,2 Prozent, bei den Briefwählern jedoch nur 24,27 Prozent. Bei der CDU zeigt sich nahezu das umgekehrte Verhältnis: 14,55 Prozent an der Wahlurne stehen 24,30 Prozent bei der Briefwahl gegenüber. Insgesamt wurden 1.315.315 gültige Stimmen gezählt, darunter 361.787 Briefwahlstimmen. Damit entfielen 27,51 Prozent aller gültigen Stimmen auf die Briefwahl.
Auch bei den übrigen Parteien verschieben sich die Ergebnisse zwischen beiden Wahlarten in eigentümlicher, aber signifikanter Weise. Die SPD erzielte bei der Briefwahl 13,53 Prozent und an der Urne 7,69 Prozent. Bei den Grünen sind es 12,87 bzw. 7,44 Prozent, bei der Linken 11,03 gegenüber 7,62 Prozent. Beim BSW beträgt der Unterschied dagegen nur knapp ein Prozent. Die größte Abweichung weisen damit die AfD-Werte auf: zwischen Urnen- und Briefwahl liegen satte 26,93 Prozent.
In einzelnen Wahlbezirken ist die Differenz sogar noch größer. In Mertendorf erhielt die AfD 63,2 Prozent der Urnenstimmen, bei der Briefwahl dagegen nur 24,5 Prozent. In Hedersleben stehen 62,9 Prozent an der Urne 26,4 Prozent per Brief gegenüber. In Obhausen beträgt das Verhältnis 60,5 zu 24,8 Prozent, in Meineweh 63,0 zu 27,9 Prozent. Auch in einem Magdeburger Briefwahlbezirk kam es zu einer erheblichen Verschiebung: nur 5,5 Prozent für die AfD, während ihr Anteil im zugeordneten Urnenbezirk bei 41,5 Prozent legt. Weitere auffällige Abweichungen wurden unter anderem in Querfurt, Ballenstedt, Helbra, Bad Lauchstädt, Stendal, Havelberg, Wimmelburg, Quedlinburg, Halle, Stößen, Egeln, Ausleben und Ahlsdorf festgestellt.
Auch die Verschiebungen zugunsten der anderen Parteien sind offenbar ein flächendeckendes Phänomen. In Mertendorf liegt die CDU bei den Briefwählern 18,8 Prozent über ihrem Ergebnis an der Urne. Bei der SPD sind es 7,3 Prozent, bei den Grünen 6,1, beim BSW 3,6 Prozent. Vergleichbare Verschiebungen zugunsten von CDU, Grünen und SPD zeigen sich auch in weiteren Orten.
Experten wollen aus diesen Zahlen allein noch keinen Verdacht ableiten. Denn Briefwähler können sich hinsichtlich Alter, Bildung, Wohnort und politischer Präferenzen tatsächlich von denjenigen Wählern unterscheiden, die am Wahltag persönlich ins Wahllokal gehen.
Aber: die Unterschiede zwischen Brief- und Urnenstimmen sind gewaltig – und sie gehen signifikant zu Lasten einer einzigen Partei, der AfD, während alle anderen Parteien von den Briefwahlstimmen zum Teil enorm profitieren. Vor allem aber: das einheitliche Muster ist einfach zu auffällig, um es mit üblichen statistischen Abweichungen erklären zu können. (se)
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