Westliche Waffensysteme oft nicht Ukraine-tauglich: „Kompliziert, teuer, realitätsfern“
Kiew/Düsseldorf. Die Europäer und vor allem Deutschland unterstützen die Ukraine mit Rüstungsgütern im Milliardenwert und nutzen das Schlachtfeld im Osten darüber hinaus als willkommenes Erprobungslabor für eigene Entwicklungen. Doch die vielfach als „gamechanger“ gepriesenen westlichen Systeme halten unter Gefechtsbedingungen oft nicht, was sie versprechen. Die westliche Rüstungsindustrie produziert nach Ansicht ukrainischer Drohnenexperten häufig an den Erfordernissen des modernen Krieges vorbei.
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Dmytro „Liber“ Zhluktenko, ehemaliger Drohnenpilot und heute Analyst im ukrainischen Regiment für unbemannte Systeme „RAID“, kritisierte dieser Tage gegenüber dem „Business Insider“, die meisten westlichen Hersteller verstünden die Anforderungen dieses Krieges „völlig falsch“. Benötigt werde etwas, „das hervorragend funktioniert, aber keine überflüssigen Funktionen hat“.
Zhluktenko kennt die Anforderungen der Front aus eigener Erfahrung und aus seiner heutigen Tätigkeit im Stab. Sein Urteil über die westlichen Systeme ist ernüchternd: sie seien „zu kompliziert, oft realitätsfern und viel teurer“ als die ukrainischen Alternativen. Der Großteil der an der Front eingesetzten Drohnen stammt deshalb nach wie vor aus ukrainischer Produktion.
Besonders deutlich wird das Problem bei der Fertigung einfacher FPV-Drohnen, die Piloten über eine Videobrille steuern. Zhluktenko zufolge hat er bislang noch keinen westlichen Hersteller gefunden, der rund 500.000 solcher Geräte ohne unnötige Zusatzfunktionen liefern könnte. Er spricht auch den Kostenfaktor an: „Tausende von Dollar ausgeben, nicht Hunderttausende.“ In einem Abnutzungskrieg, in dem Drohnen in großer Zahl verlorengehen, entscheide die Fähigkeit zur Massenproduktion über die Durchhaltefähigkeit.
Hinzu kommt die notwendige Anpassung an ständig wechselnde Bedingungen an der Front. Ukrainische Einheiten modifizierten ihre Geräte laufend, teilweise in eigenen Entwicklungszentren. Zhluktenko fordert deshalb modulare Plattformen, deren Komponenten sich unkompliziert austauschen lassen. Daß westliche Unternehmen trotz ihrer erheblichen industriellen Kapazitäten keine einfachen, wirksamen Systeme in vergleichbaren Mengen produzieren könnten wie die ukrainischen Hersteller, nennt er „verrückt“.
Eine Sprecherin des ukrainischen Herstellers TechEx verweist auf den Unterschied zwischen Kriegsbetrieb und Friedensbetrieb. Strenge Vorschriften und zusätzliche technische Ebenen erschwerten im Westen oft Erprobung und Serienfertigung.
Auch NATO-Generalsekretär Mark Rutte unterstrich bereits die Bedeutung von Geschwindigkeit statt Perfektion. Der dänische Verteidigungsminister Troels Lund Poulsen fordert ebenfalls größere Mengen preiswerter Waffen. Welche Rolle Drohnen spielen, zeigen ukrainische Angaben, wonach sie derzeit für bis zu 95 Prozent der russischen Verluste verantwortlich sein sollen – unabhängig bestätigt ist diese Zahl nicht. Das britische RUSI-Institut schätzt, daß 60 bis 80 Prozent der FPV-Drohnen ihr Ziel verfehlen, unter anderem wegen russischer elektronischer Gegenmaßnahmen (EloKa).
Für Aufsehen sorgte Rheinmetall-Chef Armin Papperger, der ukrainische Drohnenhersteller als „ukrainische Hausfrauen“ mit 3D-Druckern in der Küche verspottete, deren Arbeit „keine Innovation“ sei. Kiew reagierte empört; Rheinmetall erklärte daraufhin sofort seinen „größten Respekt“ vor den Ukrainern. (he)
Bild: Covenant Industries
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