Auch heuer aus Politikermund: Das Türken-Märchen vom Wiederaufbau
Berlin. Jedes Jahr zum Jahrestag des Gastarbeiter-Anwerbeabkommens mit der Türkei derselbe Politiker-Flachsinn: Türken hätten Deutschland wiederaufgebaut. Heuer, zum 65. Jahrestag, war es Bundeskanzler Merz vorbehalten, das Märchen zum besten zu geben.
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„Türkische Gastarbeiterinnen und Gastarbeiter haben die industrielle Substanz unseres Landes mit aufgebaut“, erklärte Merz am Dienstag in Berlin. Insbesondere das Ruhrgebiet wäre ohne ihren Beitrag in den damaligen Jahrzehnten nicht so wohlhabend geworden. Die Arbeiter hätten „oft mit ganz außergewöhnlichem Fleiß“ zum Wohlstand beigetragen und die Infrastruktur geschaffen, auf der das heutige Deutschland aufbaue.
Auch das gesellschaftliche Leben habe sich durch die Einwanderung verändert: „Sie [türkische Zuwanderer] zogen in die Innenstädte. Sie gründeten Lebensmittelläden. Sie gründeten Teestuben. Sie erfanden bekanntlich den Döner.“
Am späten Abend bekräftigte der Kanzler seine Würdigung auf der Plattform X. Dort dankte er der türkischen Gemeinde und schrieb: „Sie haben dieses Land mit aufgebaut, geprägt und die Infrastruktur des Wohlstands geschaffen, in der wir heute leben.“
Das deutsch-türkische Anwerbeabkommen wurde 1961 geschlossen. Es ermöglichte Unternehmen in der Bundesrepublik, gezielt Arbeitskräfte aus der Türkei anzuwerben. Ursprünglich war der Aufenthalt der sogenannten Gastarbeiter zeitlich begrenzt gedacht. Aber, viel wichtiger: die organisierte Anwerbung türkischer Arbeitskräfte begann erst 16 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges. Wiederaufbau und Wirtschaftswunder waren da längst Realität. Türken waren daran nicht beteiligt. (rk)
Bildquelle: Bild von Jens Schöffel auf Pixabay
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