Wegen CIA-Manipulationen: „Wikipedia“ ist zum Propagandamedium verkommen
New York. Von der Erfolgsgeschichte zum Propagandainstrument: „Wikipedia“-Mitbegründer Larry Sanger erhebt schwere Vorwürfe gegen die von ihm mitbegründete Online-Enzyklopädie. Nach seiner Darstellung haben unzureichende Kontrollmechanismen dazu geführt, daß sich dort ein „globalistischer, akademischer, säkularer und progressiver“ [also linksliberaler; d. Red.] Konsens durchgesetzt hat. Im Gespräch mit der „Berliner Zeitung“ bezeichnete Sanger „Wikipedia“ deshalb jetzt als politisch beeinflußtes Propagandainstrument.
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Bereits früh sei die Plattform für politische Einflußnahme genutzt worden. Sanger verwies auf den 2007 entwickelten WikiScanner, der anonyme „Wikipedia“-Bearbeitungen anhand von IP-Adressen Organisationen zuordnen konnte. Auf diese Weise seien unter anderem Änderungen identifiziert worden, die der CIA, dem FBI, weiteren Behörden und Unternehmen zugerechnet wurden. Die Anonymität vieler „Wikipedia“-Autoren erschwere zugleich die Kontrolle einzelner Eingriffe.
Ein weiteres Problem sieht Sanger in der zunehmenden Nutzung von „Wikipedia“ durch große Sprachmodelle. KI-Systeme griffen bei der Beantwortung von Sachfragen auf die Online-Enzyklopädie zurück. Mögliche politische oder ideologische Verzerrungen könnten dadurch nicht nur übernommen, sondern über KI-Anwendungen weiterverbreitet werden.
Sanger schlägt deshalb gewichtige Änderungen der „Wikipedia“-Strukturen vor. Leitende Funktionsträger sollten öffentlich identifizierbar sein. Für Disziplinarverfahren fordert er rechtsstaatliche Abläufe, bei Artikeln öffentliche Bewertungen und bei der Festlegung grundlegender „Wikipedia“-Regeln gewählte Verantwortliche.
Kritik an der Plattform kommt auch von anderer Seite. Elon Musk bezeichnete „Wikipedia“ wiederholt als „Wokipedia“. Russische Regierungsvertreter werfen „Wikipedia“ ebenfalls politische Einseitigkeit und eine westlich geprägte Darstellung historischer und aktueller Ereignisse vor. (mü)
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