Warnungen nach Berliner CSD-Anschlag: „Einen rehabilitierten Dschihadisten gibt es nicht.“
Berlin/Paris. Nach dem Islamisten-Anschlag auf den Berliner Christopher-Street-Day melden sich nicht nur Abwiegler und linkslastige Relativierer zu Wort, sondern auch zahlreiche Sachverständige, die sich in ihren Warnungen und Prognosen bestätigt sehen. So fordert etwa die emiratische Autorin Rauda Altenaiji: „Prävention ist billiger als Leichensäcke.“ Sie verlangt ein Verbot extremistischer Organisationen, die Ausweisung ausländischer Sicherheitsgefährder und mehr Sensibilität für Radikalisierungsmerkmalen im Bildungssystem.
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Der Berliner Täter Abdul Ballout, in Berlin geboren und deutscher Staatsbürger, war den Behörden seit langem bekannt. Am 12. Mai dieses Jahres (!) wurde er wegen Terrorvorbereitung und IS-Propaganda verurteilt, kam jedoch gegen den Willen der Generalstaatsanwaltschaft frei. Seine sogenannte „Deradikalisierung“ hatte begonnen; nach zwei Vorgesprächen beschrieben ihn Berater als „sehr angepaßt und sehr ausweichend“. Eine Abkehr vom Islamismus konnten sie allerdings nicht feststellen.
Aimen Dean, ehedem al-Qaida-Mitglied und später verdeckter MI6-Agent, erklärte bereits 2020: „Einen rehabilitierten Dschihadisten gibt es nicht.“ Er unterscheidet zwischen freiwilliger Abkehr und erzwungener Umerziehung. Dean fordert längere Haftstrafen und Vertrauen nur bei vollständiger Kooperation und aktiver Schädigung früherer Netzwerke.
Der französische Forscher Hugo Micheron sieht in Europa heute mehr Dschihad-Sympathisanten als vor zehn Jahren. Der Untergang des IS-Kalifats im Nahen Osten täusche; vereitelte Pläne, Gefängnisnetzwerke und digitale Radikalisierung blieben oft unbeachtet. Die Mehrheit der europäischen Dschihadisten sei in Europa geboren und aufgewachsen.
Hans-Jakob Schindler, früherer UN-Koordinator gegen IS und al-Qaida, beziffert die Zahl gewaltorientierter Islamisten allein in Berlin auf 1940, insgesamt zählt die „Szene“ dort 2590 Personen. Ihre vollständige Überwachung sei unmöglich. Er fordert einen besseren Zugriff auf digitale Informationen und eine Meldepflicht für soziale Netzwerke ähnlich der Finanzbranche.
Yoram Schweitzer, israelischer Terrorismusexperte, warnte Europa bereits nach den Anschlägen von Paris und Brüssel 2015/2016: individuelle Freiheiten und konsequente Terrorbekämpfung müßten vereinbar sein. Er spricht sich für eine engmaschigere Kontrolle religiöser Einrichtungen, schärfere Überwachung von Wohltätigkeitsorganisationen und besseren Schutz öffentlicher Orte aus – ohne die muslimische Bevölkerung unter Generalverdacht zu stellen.
Magnus Ranstorp kritisierte im März 2026 Teile der schwedischen Gesellschaft: sie lebten in puncto Islamismus in einem „parallelen Universum der Verleugnung“. Islamistische Organisationen hätten öffentliche Gelder erhalten, Politiker seien aus Angst vor Rassismus-Vorwürfen zurückgewichen. Im Juni setzte Schweden eine Untersuchung unter seiner Leitung ein – mit Schwerpunkt auf politischem Islam und möglicher Infiltration.
Auch die Anthropologin Florence Bergeaud-Blackler warnt vor islamistischen Bewegungen, die Gesellschaften ohne offene Gewalt veränderten – über Vereine, Bildung und Finanzierung. Islamistische Eliten arbeiteten an einer „Islamisierung der deutschen Gesellschaft“. Der Staat müsse prüfen, ob demokratische Institutionen für eine islamistische Agenda genutzt würden.
Europol registrierte allein für 2025 in der EU 45 vollendete, gescheiterte oder vereitelte Terroranschläge, davon 24 mit dschihadistischem Hintergrund. Von 486 festgenommenen Terrorverdächtigen entfielen 347 auf dschihadismusbezogene Delikte. Fünf Todesopfer und 81 Verletzte gingen auf dschihadistische Anschläge zurück. (mü)
Bild von hosny salah auf Pixabay
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