Vom Trump-Schock zur Europa-Enttäuschung: US-Linke wollen wieder heim

Vom Trump-Schock zur Europa-Enttäuschung: US-Linke wollen wieder heim
Foto: Symbolbild

New York/Berlin. Die Wiederwahl Donald Trumps 2024 trieb viele amerikanische Linksliberale nach Europa. Doch statt kostenloser Gesundheitsversorgung, hoher Lebensqualität, sozialer Harmonie und einem linken Biotop fanden viele von ihnen eine ernüchternde Realität vor: Bürokratie, niedrige Löhne und einen Alltag voller Hindernisse. Jetzt wollen sie wieder zurück. Darüber berichtet das US-Magazin „Wired“.

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Eine Amerikanerin, die nach Großbritannien auswanderte, zieht eine enttäuschende Bilanz: „Es gibt enorme Fehlvorstellungen hinsichtlich des Zugangs zu hochwertiger Gesundheitsversorgung, des Lebensstandards … die Lebensqualität ist deutlich geringer als in den USA.“ Auch vermeintliche Selbstverständlichkeiten aus ihrer Heimat fehlen. „Dinge, die in Großbritannien als Luxusgüter gelten, sind in Amerika ganz alltäglich“, erklärt sie und nennt Spülmaschinen und Wäschetrockner.

Um kostenlose Medizin stehe es ebenfalls schlecht: „Ich zahle enorme Summen an Steuern und einen Einwanderungszuschlag, um Zugang zu den Leistungen des NHS zu erhalten – also nein, die Gesundheitsversorgung ist hier nicht kostenlos.“ Niedrige Löhne und enttäuschende Zugverbindungen kommen hinzu. Auch die Arbeitskultur empfindet sie als bremsend: in Großbritannien herrsche oft die Haltung „Es ist, wie es ist“, während Amerikaner dazu erzogen würden, nach Verbesserungen zu streben.

Ein US-Amerikaner, den es nach Berlin verschlug, klagt gegenüber „Wired“ über ausufernde Bürokratie und die schwierige Jobsuche. Er vermisse „die freundlicheren Menschen, die Meinungsfreiheit und die Unkompliziertheit des Alltags“ in den Vereinigten Staaten. Zudem habe er sich von Deutschen nicht akzeptiert gefühlt.

Auch in Online-Foren schlägt sich die Enttäuschung von US-Auswanderern nieder. Deutschland gilt dort als Land, in dem alles lange dauert, Regeln den Alltag ersticken und die Menschen häufig schlecht gelaunt seien. Wer nun in die USA zurückkehren will, wird von manchen linken Kommentatoren als privilegiert oder politisch rechtsstehend abqualifiziert. Andere stellen ernüchtert fest, daß auch in Polen, wohin sie vor dem amerikanischen Rechtspopulismus geflohen waren, rechte Kräfte an Boden gewinnen.

Der frühere Mitarbeiter des Weißen Hauses Theo Wold formuliert seine Kritik zugespitzt: amerikanische Liberale wollten sozialistische Ideen und Masseneinwanderung importieren. Das Ergebnis seien Länder, die „ärmer, weniger produktiv und als Heimat weniger lebenswert“ würden.

Die Erfahrungen einzelner Auswanderer sind kein Gesamtbild. Sie zeigen aber, wie weit politische Wunschbilder und gelebter Alltag auseinanderklaffen können. Bei Linken ist das häufiger der Fall. (mü)

 Bild: Pixabay/gemeinfrei

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