Verschwiegene Wende im Ukrainekrieg: Kiew verliert den Zugang zum Meer
Moskau/Kiew. Nach einer Serie ukrainischer Angriffe auf russisches Kerngebiet hat sich die militärische Lage an der Front in den letzten Wochen grundlegend verändert – aber anders, als es in den westlichen Mainstream-Medien dargestellt wird. Zwar trafen ukrainische Attacken tatsächlich Raffinerien, Öllager, Schiffe der sogenannten russischen „Schattenflotte“ sowie Logistikzentren des größten russischen Onlinehändlers. Doch die erwartete Wirkung blieb aus. Allerdings hat der zunehmende Druck aus der eigenen Bevölkerung den Kreml dazu veranlaßt, seine bisherige Zurückhaltung schrittweise aufzugeben.
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Demnach beschränkt sich das russische Kriegsziel nun nicht mehr allein auf die Kontrolle der überwiegend russisch besiedelten Gebiete im Donbass und die Einrichtung einer Pufferzone. Vielmehr richtet sich der militärische Schwerpunkt zunehmend gegen die wirtschaftlichen und infrastrukturellen Existenzgrundlagen der Ukraine. Östlich des Dnjepr werden systematisch Tankstellen, Treibstofftransporte und Vorratslager zerstört. Nach der weitgehenden Ausschaltung der ukrainischen Flugabwehr nimmt Rußland nun verstärkt die militärische Infrastruktur ins Visier.
Die folgenschwerste Entwicklung der vergangenen Wochen ist dabei die Situation an den ukrainischen Seehäfen. Die Ukraine ist faktisch zu einem Binnenstaat geworden. Vor Kriegsbeginn wurden rund 90 Prozent der Getreideausfuhren sowie etwa 70 Prozent des gesamten Warenverkehrs über die Häfen am Schwarzen Meer und im Donaudelta abgewickelt.
Rußland hat in den letzten Monaten die Vereinbarungen vom Herbst 2022 aufgegeben und um die verbliebenen Schwarzmeerhäfen Odessa, Tschornomorsk und Piwdennyj sowie die Donauhäfen Ismajil, Reni und Ust-Dunajsk eine faktische Blockade errichtet. Frachtschiffe können diese Häfen kaum noch anlaufen, Waffentransporte wurden versenkt, zugleich wurde die Hafeninfrastruktur im Raum Odessa durch Raketenangriffe schwer getroffen.
Für die Ukraine hat dies erhebliche militärische und wirtschaftliche Folgen. Waffen, Munition und sonstiger Nachschub müssen nun fast ausschließlich auf dem Landweg eingeführt werden, wodurch Transportkapazitäten und Geschwindigkeit sinken.
Auch der Export leidet erheblich. Die landwirtschaftlichen Erzeugnisse des Landes können wegen ihres großen Umfangs nur zu einem kleinen Teil per Bahn oder Lastwagen ausgeführt werden. Der überwiegende Teil ist auf den Seeweg angewiesen. Ohne funktionsfähige Häfen fehlt Kiew der wichtigste Exportkorridor für Getreide und andere Massengüter.
Erst kürzlich hat zudem China der ukrainischen Drohnenrüstung einen empfindlichen Schlag versetzt, indem es die Ausfuhr zahlreicher „Dual use“-Handelsgüter – Artikel, die sowohl im militärischen wie im zivilen Bereich eingesetzt werden können – verboten hat. Eher früher als später dürfte die ukrainische Drohnenproduktion damit deutlich zurückgehen. Beobachter stimmen darin überein, daß sich die Situation der Ukraine damit trotz partieller Erfolge im Drohnenkrieg leider alles in allem drastisch verschlechtert hat. (he)
Bildquelle: Pixabay/gemeinfrei
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