Der US-Truppenabzug aus Europa nimmt Konturen an: Deutschland weniger stark betroffen

Der US-Truppenabzug aus Europa nimmt Konturen an: Deutschland weniger stark betroffen
Foto: Symbolbild

Washington/Brüssel/Berlin. Jetzt wird es ernst: die USA bereiten eine umfassende Umstrukturierung ihrer Militärpräsenz in Europa vor. Im Mittelpunkt stehen Truppenverlegungen und der Abzug wichtiger Fähigkeiten – nicht aber der Atombomben. Deutschland dürfte nach Einschätzung von Insidern zunächst weniger stark betroffen sein als andere NATO-Alliierte. Für Europa insgesamt hätte der Kurswechsel jedoch gravierende militärische Folgen.

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Nach Informationen des „Handelsblatts“ erwägt die Regierung von US-Präsident Donald Trump, zusätzlich zu bereits bekannten Planungen rund 2.000 Soldaten aus Spanien abzuziehen. Damit würde mehr als die Hälfte des dort stationierten US-Kontingents entfallen. Hintergrund soll die Entscheidung der Linksregierung von Pedro Sánchez sein, die Nutzung der Stützpunkte Rota und Morón für amerikanische Angriffe auf den Iran nicht zuzulassen.

Offiziell bestätigt wurden die Überlegungen bislang nicht. Pentagon-Unterstaatssekretär Elbridge Colby kündigte jedoch an, die amerikanische Präsenz in Europa innerhalb der kommenden sechs Monate neu auszurichten. Die europäischen NATO-Staaten müßten künftig die Hauptlast der konventionellen Verteidigung selbst übernehmen.

Die Vorsitzende des Verteidigungsausschusses im Europaparlament, Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP), erklärte gegenüber dem „Handelsblatt“, Europa werde sich dieser Entwicklung nicht entziehen können. Die Mitgliedstaaten müßten nicht nur höhere Verteidigungsausgaben leisten, sondern rasch einsatzfähige Streitkräfte und fehlende Fähigkeiten aufbauen. Nach ihrer Einschätzung gewinnt der amerikanische Rückzug inzwischen an Dynamik. Als Ursachen nannte sie unter anderem den länger andauernden Iran-Krieg sowie die zunehmende Konzentration Washingtons auf China.

Innerhalb der NATO wird die Entwicklung als neue Lastenteilung dargestellt. Generalsekretär Mark Rutte betonte wiederholt, Präsident Trump habe die europäischen Partner zu größeren Verteidigungsanstrengungen bewegt. In Brüssel wird zugleich erwartet, daß die geplante Überprüfung der weltweiten Stationierung amerikanischer Streitkräfte vor allem die politischen Prioritäten Washingtons widerspiegeln wird. Neben dem Nahen Osten rückt der Indopazifik stärker in den Mittelpunkt der amerikanischen Strategie.

Deutschland gilt wegen Standorten wie Ramstein weiterhin als unverzichtbar für die US-Streitkräfte. Die Luftwaffenbasis dient als logistisches Drehkreuz für Einsätze im Nahen Osten und in Afrika sowie für Personal- und Materialtransporte. Ende 2025 waren nach Pentagon-Angaben 36.436 US-Soldaten dauerhaft in Deutschland stationiert, mehr als die Hälfte der insgesamt rund 68.000 amerikanischen Soldaten in Europa.

Bereits beschlossen ist der Abzug von 5.000 Soldaten aus Deutschland, darunter einer Heeresbrigade sowie eines ursprünglich für 2026 vorgesehenen Bataillons mit weitreichenden Waffensystemen. Als Reaktion kündigte Bundeskanzler Friedrich Merz an, amerikanische „Tomahawk“-Marschflugkörper zu beschaffen und künftig durch deutsche Soldaten betreiben zu lassen. Parallel dazu arbeiten Deutschland, Frankreich und weitere europäische Staaten an der Entwicklung eigener Langstrecken-Marschflugkörper. (mü)

Bildquelle: Flickr/U.S. Army Photo by Lacey Justinger, 7th Army Training Command/CC BY 2.0

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