Rechte immer gewiefter: Statt Bomberjacken jetzt Polohemden
Wien. Die Zeiten ändern sich sehr: früher waren „Rechtsextremisten“ – oder was der linke Mainstream dafür hält – an Bomberjacken und Schnürstiefeln zu erkennen. Das ist jetzt nicht mehr so. „Rechtsextreme“ Mode ist nach Einschätzung der Wiener Modeforscherin Elke Gaugele heute schwerer eindeutig zu erkennen als früher. Ihr Forschungsprojekt an der Akademie der bildenden Künste Wien untersucht seit 1989 entstandene Kleidungsstile und Marken, die sie mit vermeintlich rechtsextremen Milieus in Verbindung bringt. Das untersuchte Spektrum reicht von Streetwear und Kapuzenpullovern über Polohemden und den „Old Money“-Stil bis zum „Tradwife“-Trend.
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Gaugele zufolge haben die von ihr untersuchten Akteure unterschiedliche Modestile übernommen, um verschiedene gesellschaftliche Gruppen anzusprechen. Dadurch seien politische Zuordnungen schwieriger geworden. „Rechtsextreme Stile sind extrem parasitär. Sie beruhen auf Kopieren und Klauen“, unterstellt sie in einem Gespräch mit der österreichischen Presseagentur APA. Politische Unterschiede zeigten sich nach ihrer Einschätzung vielfach nur noch durch Symbole, Frisuren oder andere kleine Erkennungsmerkmale.
Für die Untersuchung recherchierte das Team unter anderem in einschlägigen Geschäften in Deutschland und den USA. Hinzu kamen Gespräche mit Beschäftigten, die Auswertung von Online-Inhalten und Bildarchiven sowie Netzwerk- und Situationsanalysen.
Als Beispiel nennt Gaugele das 2013 in Graz gegründete Label „Phalanx Europe“. Dort beobachte sie einen Wandel „hin zum Hipster“. „Dadurch soll ein neuer Stil verkörpert werden: wir sind alle gutaussehend, smart, hip.“
Gaugele unterscheidet zwei Entwicklungen: einerseits orientierten sich Marken an der Vermarktung von Sport- und Lifestyle-Unternehmen der 1990er- und 2000er-Jahre und präsentierten junge Menschen als Rebellen oder Helden. Andererseits gewinne eine zurückhaltende, mit Wohlstand verbundene Ästhetik an Bedeutung. Sie spreche von einem „neuen Normalen“, das „ganz stark auf aggressivem Ausschluß und autoritären Strategien beruht“.
Zudem erweiterten die untersuchten Marken ihr Angebot für Frauen. Gaugele verweist auf den „Tradwife“-Trend und die US-amerikanische MAGA-Bewegung. Dahinter stehe eine gezielte Verbindung von Mode, Beauty und Dating, die nach ihrer Einschätzung von der US-„Tech Right“ vorangetrieben werde.
Welchen praktischen Nutzwert solche Erkenntnisse haben, bleibt dabei die große Frage. Das Forscherteam um Elke Gaugele muß sich darüber aber nicht den Kopf zerbrechen – seine Modeexpertise ließ sich der Österreichische Wissenschaftsfonds (FWF) schlappe 400.000 Euro kosten. (he)
Bild von lilli-hill auf Pixabay
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