Precht spricht Klartext: „Wir verhalten uns ähnlich wie die DDR in den 80ern“
Berlin. Der Philosoph Richard David Precht sieht die Bundesrepublik in den Fußstapfen der untergehenden DDR wandeln. Im Podcast von Paul Ronzheimer verglich er etwa die Beschäftigungspolitik mit der Praxis der DDR in den achtziger Jahren. Damals habe man Menschen unproduktiv arbeiten lassen, um Arbeitslosigkeit zu kaschieren. „Wir verhalten uns inzwischen ähnlich, wie sich die DDR in den 80ern verhalten hat“, sagte Precht.
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Das ist aber nicht der einzige Vergleich, den der Philosoph zum untergehenden Arbeiter- und Bauernstaat zieht. Auch die kommunalen Verwaltungen mit ihren mehr als zwei Millionen Beschäftigten sieht er als Indiz für die grassierende Verkrustung und den Unwillen zur gesellschaftlichen Veränderung. Er macht vor allem die Angst vor Massenarbeitslosigkeit und den von Ängsten geprägten Umgang mit der Künstlichen Intelligenz verantwortlich. Gewerkschaften sorgten dafür, daß auch in den kommenden zehn bis 15 Jahren viele Menschen in den Verwaltungen beschäftigt blieben. Dabei könnten digitale Verfahren und KI den Alltag der Bürger erleichtern – etwa wenn Bauanträge von zu Hause aus gestellt und schneller bearbeitet würden.
„Wir trauen uns nicht, diesen Prozeß mitzumachen aus Angst vor den vielen Arbeitslosen, die dadurch entstehen“, erklärte der Philosoph und schlußfolgerte: „Deutschland ist nicht wirklich reformfähig.“ Wer in der Politik Karriere machen wolle, müsse sich anpassen; weitreichende Reformideen hätten innerhalb der Parteien häufig wenig Aussicht auf Erfolg.
Auch den gesellschaftlichen Umgang mit abweichenden Ansichten kritisierte Precht. In Debatten werde Andersdenkenden zunehmend eine schlechte Gesinnung unterstellt. Er selbst wolle andere Positionen verstehen, ohne ihre Vertreter pauschal zu verurteilen. In der öffentlichen Diskussion beobachte er dagegen oft eine moralische Abwertung abweichender Positionen. „Wer meine Meinung nicht teilt, ist böse“, beschreibt Precht diese Haltung. (rk)
Bild: Pixabay/gemeinfrei
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