Pistorius´ neue Ernstfallpläne: Industrie soll Kriegsmaterial auf Vorrat einlagern

Pistorius´ neue Ernstfallpläne: Industrie soll Kriegsmaterial auf Vorrat einlagern
Foto: Symbolbild

Berlin. Der Verteidigungsfall rückt näher – jedenfalls in der Wahrnehmung des Bundesverteidigungsministeriums. Das Ministerium will nun die langfristige Ausrüstung der Bundeswehr neu organisieren und zugleich Vorsorge für den Ernstfall treffen. Dafür sollen künftig sogenannte Vorhalteverträge mit der Rüstungsindustrie geschlossen werden. Nach Angaben von Rüstungsstaatssekretär Jens Plötner ist ein Modell mit drei aufeinanderfolgenden Stufen vorgesehen.

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Zunächst gehe es darum, die Truppe mit der notwendigen Erstausrüstung zu versorgen und bestehende Bestände wieder aufzufüllen. „Das machen wir gerade“, ließ Plötner jüngst den „Spiegel“ wissen. Danach soll die Industrie Waffen und anderes Material auf Vorrat produzieren und möglichst selbst lagern. Das hätte nach seinen Angaben den Vorteil, daß Hersteller etwa IT-Systeme fortlaufend aktualisieren könnten.

Die dritte Stufe soll Produktionskapazitäten für den Ernstfall sichern. Durch entsprechende Verträge soll gewährleistet werden, daß Unternehmen ihre Fertigung bei Bedarf kurzfristig hochfahren können. „Das Modell ist für Munition und auch Drohnen vorgesehen. Hier steht jetzt auch die Industrie in der Verantwortung“, erklärte Plötner. Das Pistorius-Ministerium prüft darüber hinaus, ob sich dieses Prinzip auch auf größere Systeme wie Schützenpanzer übertragen läßt.

Plötner begründet den Ansatz mit den Erfahrungen vergangener Jahrzehnte. Nach einem abgeschlossenen Produktionsauftrag seien Fertigungskapazitäten teilweise weitgehend zurückgefahren worden. „Vor allem dürfen wir nie wieder in die Situation kommen, daß die Industrie eine bestimmte Zahl von gepanzerten Fahrzeugen produziert und dann die Produktionsanlagen weitgehend abbaut“, sagte der Staatssekretär.

Die Wiederauffüllung der Bestände benötigt freilich Zeit. „Ein Waffensystem, das wir heute bestellen, steht nicht übermorgen auf dem Hof. Das läuft nicht so wie bei Ikea.“ Deutschlands Verteidigungsindustrie sei seit dem Ende der 1980er Jahre um rund zwei Drittel geschrumpft. „Diese industrielle Basis wieder auszubauen, das geht nicht über Nacht.“ Dennoch rechnet Plötner damit, daß die Bundeswehr bereits im laufenden Jahr größere Lieferungen erhalten wird. Konkrete Zahlen gibt es dazu nicht – wohlweislich, denn seit Ausrufung der „Zeitenwende“ im Frühjahr 2022 konnte von der deutschen Industrie so gut wie kein geplantes Rüstungsprojekt wie vorgesehen umgesetzt werden. Nichtsdestoweniger ist der Ausbau einer funktionierenden, effizienten und staatsnahen Rüstungsindustrie nötiger denn je. (he)

Bildquelle: Bundeswehr/Michel Baldus

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