Paßt ins Bild: Terroranschlag belastet Deutschlands Ansehen in Polen

Paßt ins Bild: Terroranschlag belastet Deutschlands Ansehen in Polen
Foto: Symbolbild

Berlin/Warschau. Nach dem Islamisten-Anschlag auf den Berliner Christopher-Street-Day herrscht in Polen Bestürzung über den Tod einer Landsmännin. Viele Polen sehen sich in ihren Vorbehalten gegenüber dem westlichen Nachbarland bestätigt – diesmal nicht aus historischen Gründen, sondern weil sich Deutschland in den letzten Jahrzehnten auf ganzer Linie zum Negativen hin entwickelt hat.

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Der Sprecher des polnischen Außenministeriums, Maciej Wewior, erklärte, man habe die Nachricht „mit Bestürzung und tiefer Trauer“ aufgenommen. Bei dem Anschlag war eine 65jährige Frau aus Warschau ums Leben gekommen, nachdem der Attentäter Abdul Ballout mit einem Minivan in eine Menschenmenge im Berliner Tiergarten gefahren war. Weitere 31 Menschen wurden verletzt, darunter die Tochter der Getöteten. Beide waren nach Berlin gereist, um am CSD teilzunehmen.

Die polnische Regierung reagierte zurückhaltend. In den sozialen Netzwerken ging es aber ungleich deutlicher zur Sache. Zahlreiche Nutzer machen – völlig zu Recht – die deutsche Migrationspolitik für die Sicherheitslage verantwortlich und bezeichneten den Täter mit Begriffen wie „Kulturbereicherer“ oder „Ingenieur“. Zugleich wird Deutschland – auch dies nicht ohne Grund – von vielen als Staat beschrieben, in dem sich die öffentliche Sicherheit drastisch verschlechtert habe.

Schon seit Jahren stellt die nationalkonservative Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS) die desaströse deutsche Migrationspolitik regelmäßig der eigenen Sicherheitsstrategie gegenüber. Ministerpräsident Donald Tusk verfolgt ebenfalls einen restriktiven Kurs in der Migrationspolitik.

Nach Einschätzung des Osteuropa-Korrespondenten Philipp Fritz paßt der Anschlag in ein Deutschlandbild, das in Polen zunehmend verbreitet ist. Er verweist darauf, daß die getötete Frau „nicht das erste polnische Opfer nach einem Anschlag in Deutschland“ gewesen sei. Bereits beim Terroranschlag auf dem Berliner Breitscheidplatz im Dezember 2016 kam der polnische Lastwagenfahrer Łukasz Urban ums Leben.

Auch andere Gewaltverbrechen gegen polnische Staatsbürger fanden in Polen große Beachtung. Genannt wird unter anderem der Fall eines polnischen Touristen, der 2023 in einer Münchner U-Bahn-Station von einem Afghanen vergewaltigt wurde.

Die Deutschland-Wahrnehmung in Polen bleibt nicht ohne Folgen: inzwischen entscheiden sich mehr Menschen für einen Umzug von Deutschland nach Polen als umgekehrt. Als einer der Gründe dafür wird das veränderte Sicherheitsgefühl genannt. Polen zählt nach aktuellen Statista-Daten mit 0,66 bis 0,8 Tötungsdelikten je 100.000 Einwohner seit Jahren zu den Staaten mit einer äußerst niedrigen Tötungsrate in der Europäischen Union. In Deutschland liegt die Rate offiziell bei etwa 1 pro 100.000 (USA: 5,8). (rk)

Bild: Pixabay/gemeinfrei

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