Ökonomische Zeitbombe: Frankreichs Schuldenkrise wird zur Gefahr für Deutschland

Ökonomische Zeitbombe: Frankreichs Schuldenkrise wird zur Gefahr für Deutschland
Foto: Symbolbild

Paris/Berlin. Frankreich entwickelt sich zum neuen finanziellen Sorgenkind Europas – und stellt damit vor allem für Deutschland inzwischen eine handfeste Gefahr dar. Im zweiten Quartal 2026 erreichten die französischen Staatsschulden knapp 3,6 Billionen Euro oder 119,1 Prozent der Wirtschaftsleistung. Deutschland kam auf rund 2,93 Billionen Euro und eine Schuldenquote von 63,4 Prozent. Im Euroraum lag der Durchschnitt bei 88,8 Prozent. Damit gerät neben Deutschland, dessen Wirtschaft schon seit Jahren schwächelt, auch das zweite ökonomische Schwergewicht der EU unter Druck.

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Die Finanzmärkte reagieren bereits. Am 22. Oktober stieg die Rendite zehnjähriger französischer Staatsanleihen auf 5,14 Prozent – der höchste Stand seit 2002. Der Risikoaufschlag gegenüber deutschen Bundesanleihen erreichte 1,69 Prozent. Frankreich muß infolgedessen für frisches Geld deutlich mehr bezahlen als Deutschland. „Frankreich steht am Rande einer Finanzkrise. Wir müssen ein Signal an die Märkte senden“, warnte der frühere Premierminister Michel Barnier gegenüber „Politico“.

Paris muß zugleich alte Schulden refinanzieren, die einst zu wesentlich günstigeren Konditionen aufgenommen wurden. Bei einem Haushaltsdefizit von rund fünf Prozent und einem schwachen Wachstum wächst dadurch der ökonomische Druck enorm. Premierminister Sébastien Lecornu will für 2027 Einsparungen von etwa 43 Milliarden Euro durchsetzen. Doch Steuererhöhungen und Kürzungen bei Renten und Sozialleistungen stoßen auf massiven politischen Widerstand. Am 24. Oktober demonstrierten landesweit Hunderttausende.

Für Deutschland wären die Folgen unmittelbar spürbar. Frankreich war 2025 nach den USA der zweitgrößte Absatzmarkt deutscher Waren. Die deutschen Exporte dorthin beliefen sich auf 117,4 Milliarden Euro. Müssen französische Haushalte, Unternehmen und der Staat ihre Ausgaben zurückfahren, trifft das deutsche Hersteller unmittelbar, deren Nachfrage ohnehin schwächelt. Die deutsche Industrieproduktion lag 2025 bereits knapp elf Prozent unter dem Niveau von 2015.

Zusätzlich drohen Risiken für Banken und Versicherungen. Verlieren französische Staatsanleihen weiter an Wert, entstehen Verluste bei Finanzinstituten und Fonds, die solche Papiere halten. Schwierigkeiten ausländischer Banken könnten auch deutsche Institute treffen und ihre Kreditvergabe bremsen. Die Europäische Zentralbank sieht zwar bislang keine „Ansteckung“ anderer Eurostaaten, warnt aber vor den Folgen politischer Instabilität und enttäuschender Sparfortschritte.

Die Präsidentschaftswahl 2027 verschärft die Unsicherheit. Rechte und Linke stellen gleichermaßen Reformen und Einsparungen in Frage. Der frühere italienische Ministerpräsident Mario Monti erinnert an die italienische Schuldenkrise von 2011, als steigende Risikoaufschläge einen abrupten politischen Kurswechsel erzwangen. An der ökonomischen Zwangslage, in der sich Frankreich befindet, könnten allerdings weder Marine Le Pen noch Jean-Luc Mélenchon etwas ändern. Sie ist längst zur tickenden Zeitbombe für ganz Europa geworden. (se)

Bild: Pixabay/Gemeinfrei

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