Kalaschnikows, Revolver, Granaten: Der Kampf um den Ärmelkanal wird härter
Paris/London. Der Ärmelkanal ist seit vielen Jahren ein „hot spot“ an der europäischen Migrationsfront. Und die Invasoren rüsten auf. Bei Loon-Plage nahe Dünkirchen fanden französische Ermittler schon im Juni 2023 Gewehre und mehr als 340 Schuß Munition, drei Magazine für Kalaschnikows und fünf Handgranaten. Dreizehn mutmaßliche irakische Schlepper wurden damals festgenommen. Charlie Eastaugh vom britischen Border Security Command berichtet von weiteren Schußwaffen, darunter Sturmgewehren, in Migrantenlagern. Französische Polizisten würden bei Einsätzen zudem immer wieder mit Steinen und schweren Stöcken angegriffen.
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Die in Genf ansässige NGO GI-TOC (Global Initiative Against Transnational Organized Crime) recherchierte bereits 2024 umfangreich zu den Strukturen hinter der illegalen Migration beiderseits des Ärmelkanals. Irakisch-kurdische Netzwerke kontrollierten demnach seit etwa 2019/20 große Teile des Geschäfts bei Calais und Dünkirchen. Gruppen aus verschiedenen Kurdenregionen teilten Küstenabschnitte und Startplätze untereinander auf. Wer fremde Reviere nutzt, muß mit Angriffen rechnen. Die Auseinandersetzungen reichten bis zu Tötungsdelikten.
Auch die Bewaffnung wurde dokumentiert: Schlepper berichteten von Pistolen, AK-47 und Munition. Auch Helfer führten teils Kalaschnikows, Revolver und Granaten. Am 8. März 2024 wurden bei Loon-Plage rund 80 Schüsse registriert, viele davon vermutlich aus automatischen Waffen. Bei einer weiteren Schießerei im Juni 2025 starben an einem Wochenende drei Menschen, sieben wurden verletzt.
Das Geschäftsmodell ist hochprofitabel. Ein Boot samt Ausrüstung kostete nach damaligen Schätzungen etwa 10.000 Euro. Bei 50 Passagieren zu je 2.000 Euro macht das rund 100.000 Euro an Einnahmen. Europol stieß zudem auf Netzwerke, die Boote und Motoren unter anderem in Deutschland lagern und mit Spezialfahrzeugen nach Frankreich transportieren. 2022 wurden bei einer Operation rund 150 Schlauchboote, Motoren, Waffen und Drogen beschlagnahmt.
London reagiert mit zusätzlichen Mitteln: das jüngste Abkommen mit Frankreich vom April 2026 sieht bis zu 661 Millionen Pfund vor. Die Zahl der mitfinanzierten Kräfte soll von 907 auf 1.392 steigen. Aber auch die Schleuser passen ihre Methoden an: sie reagieren mit parallelen Starts, wechselnden Abfahrtsorten und immer größeren Schlauchbooten. Bisher ist noch jede Regierung im Wettlauf mit dem Schlepperunwesen gescheitert. (mü)
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