Gasspeicher ungewöhnlich leer: Sorge vor einem teuren Winter wächst
Berlin. Über zu wenig Sonne und Wärme können sich die Deutschen heuer nicht beschweren. Daß bei 30 Grad Außentemperaturen niemand an den nächsten Winter denken will, ist nachvollziehbar.
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Aber unklug. Denn die deutschen Gasspeicher sind nach dem vergangenen Winter so schlecht gefüllt wie seit Jahren nicht mehr. Ende Juni lag der Füllstand lediglich bei 41 Prozent und damit deutlich unter den Werten der Vorjahre. Selbst 2018, das bislang als Jahr mit besonders schleppender Befüllung galt, waren die Reserven zu diesem Zeitpunkt größer.
Aber: die Rahmenbedingungen sind inzwischen grundlegend andere als früher. Russische Pipeline-Lieferungen als verläßliche Basisversorgung gehören der Vergangenheit an. Stattdessen ist Europa auf Flüssiggas angewiesen, das auf dem Weltmarkt eingekauft werden muß. Gleichzeitig liegt der Gaspreis mit 12,23 Cent pro Kilowattstunde etwa doppelt so hoch wie 2018.
Zusätzliche Unsicherheit brachte zuletzt der Iran-Krieg. Erdgas aus Qatar wird über die Straße von Hormus transportiert. Deren Sperrung infolge des Irankriegs belastet den Markt zusätzlich. Rund 20 Prozent des weltweiten LNG-Angebots passieren diese Route. Fällt sie aus, weichen vor allem asiatische Staaten auf andere Anbieter aus und konkurrieren so mit Europa um verfügbare Lieferungen. Ein wachsender Teil amerikanischer LNG-Exporte fließt deshalb bereits seit dem Frühjahr nach Asien.
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Zwar sind nach Angaben der Speicherbetreiber Kapazitäten in Höhe von 76 Prozent gebucht, doch das garantiert noch keine tatsächliche Befüllung. Hinzu kommt, daß sich das frühere Geschäftsmodell der Versorger seit 2022 verändert hat: Sommergas ist nicht mehr automatisch günstiger als Wintergas. Staatliche Vorgaben schreiben deshalb Mindestfüllstände von 80 Prozent bis zum 1. November vor, auf EU-Ebene gilt ein Ziel von 90 Prozent zwischen Oktober und Dezember. Eine Reihe wichtiger Speicher sind von diesen Marken himmelweit entfernt. Die Anlagen von SEFE sind erst zu 23,6 Prozent gefüllt, Uniper kommt auf magere 55,55 Prozent.
Da Deutschland über rund ein Viertel der gesamten EU-Gasspeicherkapazitäten verfügt, kann ein Mangel kaum durch andere Staaten ausgeglichen werden. Selbst wenn die Versorgung gesichert sein sollte, wird das knappe Angebot den Gaspreis im kommenden Winter kräftig nach oben treiben. Und seit Mittwoch ist die Straße von Hormus erst einmal wieder dicht – womöglich für lange Zeit. (st)
Bild: Pixabay/Gemeinfrei
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