Faß ohne Boden: Hegseth braucht mehr Geld für den Iran-Krieg
Washington. Den USA laufen die Kosten des Iran-Krieges aus dem Ruder. US‑Kriegsminister Pete Hegseth nannte jetzt im Senat deutlich höhere Ausgaben für den Krieg als bisher bekannt. Die Kosten beliefen sich inzwischen auf 37,5 Milliarden Dollar, sagte er auf Nachfrage des Senators Dick Durbin. Frühere offizielle Schätzungen hatten bei 29 Milliarden Dollar gelegen. Die Summe umfasse bereits entstandene Ausgaben sowie erwartete Kosten bis zum Ende des Haushaltsjahres am 30. September, darunter Soldzahlungen und Betriebs‑ sowie Wartungskosten.
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Durbin wollte wissen, ob die anhaltenden Gefechte auf weiter steigende Kosten hindeuteten. Hegseth erklärte, ein Teil der genannten 37,5 Milliarden Dollar berücksichtige bereits die voraussichtlichen Ausgaben der kommenden Monate. Er warb zugleich für einen Nachtragshaushalt von 67 Milliarden Dollar. Damit solle die Einsatzbereitschaft der Streitkräfte gesichert, verbrauchtes Material ersetzt und Investitionen in Munition sowie neue Waffensysteme beschleunigt werden. Hegseth betonte, der Antrag solle den regulären Verteidigungsetat nicht ersetzen, sondern eine zusätzliche Soforthilfe darstellen. Sein Ziel sei ein Verteidigungshaushalt von 1,5 Billionen Dollar für das Jahr 2026.
Hegseths Auftritt vor dem Senat kommt einem Rückzugsgefecht gleich. Schon vor Wochen – also noch bevor die Kampfhandlungen jetzt von den USA wieder aufgenommen wurden – bezifferten mit internen Bewertungen vertraute Regierungsvertreter die Kosten des Krieges gegenüber CBS News auf annähernd 50 Milliarden Dollar. Und die Harvard-Ökonomin Linda Bilmes schätzte allein die direkten Militärausgaben der ersten 40 Kriegstage auf rund zwei Milliarden Dollar täglich – das wären nicht 29 und auch nicht 50, sondern 80 Milliarden US-Dollar. Die Verluste noch gar nicht eingerechnet.
Ebenso enthält Hegseths Rechnung nicht die Schäden an einer Reihe von US-Militärstützpunkten in der Region. Die „New York Times“ identifizierte in einer Auswertung von Satellitenbildern, verifizierten Videos und Aussagen von US-Beamten mindestens 17 beschädigte amerikanische Standorte. Mehrere davon wurden wiederholt getroffen. Bei 19 US-Militärstandorten in der Region entspräche das einer Quote von etwa 89 Prozent. Frühere Einschätzungen hatten bereits 13 der genutzten US-Stützpunkte als praktisch unbewohnbar eingestuft – und das war vor dem Wiederaufflammen der Kämpfe. In den letzten zwei Wochen will der Iran erneut US-Basen getroffen und dort empfindliche Schäden an Menschen und Material angerichtet haben. Wenn Präsident Trump nicht bald Erfolge vorweisen kann, wird der Krieg für die USA zum Faß ohne Boden.
US‑Generalstabschef Dan Caine warnte im Senat unterdessen vor überzogenen Erwartungen an die Luftwaffe. „Wenn man die gesamte Geschichte betrachtet, dann hat Luftmacht ihre Grenzen, und dessen müssen wir uns immer bewußt sein“, sagte er. Die Stärke der USA liege darin, militärische Mittel mit diplomatischen, informationellen und wirtschaftlichen Instrumenten zu verbinden. In all diesen Bereichen werde derzeit intensiv gearbeitet. Auch das klingt nicht nach einem raschen Sieg. (mü)
Bild: U.S. Navy photo by Photographer’s Mate Airman Eben Boothby
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