Deutsche Energiepolitik: Der nächste Preisschock kommt bestimmt
Berlin. Fachleute sprechen es vorerst lieber hinter vorgehaltener Hand aus, denn das Thema scheint noch weit weg: aber der kommende Winter könnte Deutschland erneut eine Energiekrise bescheren. Der Krieg im Nahen Osten treibt die Preise für Öl und Gas nach oben, gleichzeitig sind die deutschen Gasspeicher ungewöhnlich schwach gefüllt. Am 23. Juli lag der Füllstand bei lediglich 45,7 Prozent, Anfang des Monats sogar erst bei 41 Prozent. Nach Angaben des Speicherverbandes INES war dies der niedrigste Juli-Wert seit der Energiekrise 2021/22.
Abonniere jetzt:
>> Die starke Stimme für deutsche Interessen <<
Steigende Weltmarktpreise gelten als Folge der Spannungen im Nahen Osten. Nach Angriffen auf die Tanker „Encelia“ und „Layla“ kletterte der Brent-Ölpreis auf 100,69 Dollar je Barrel. Hinzu kommen Risiken für die Schifffahrt durch die Straße von Hormus und Bab al-Mandab, über die unter normalen Bedingungen rund ein Viertel der weltweiten Ölversorgung transportiert wird.
Die Lage wird jedoch durch politische Entscheidungen drastisch verschärft, für die nicht der Krieg am Persischen Golf verantwortlich gemacht werden kann. Mit dem stufenweisen Ausstieg aus russischen Energieimporten seit März 2026 und dem geplanten Verbot von russischem LNG ab Anfang 2027 sowie Pipelinegas ab Herbst 2027 sind verfügbare Bezugsquellen von der Politik kontinuierlich eingeschränkt worden. Infolgedessen muß Deutschland auf dem LNG-Weltmarkt nun mit asiatischen Käufern konkurrieren und wird stärker von Tankern, Terminals und sicheren Seewegen abhängig.
Erschwerend kommt hinzu, daß der Markt wegen geringer Preisunterschiede zwischen Sommer- und Winterlieferungen kaum noch Anreize zur Gaseinlagerung bietet. Reichen die kommerziellen Vorräte nicht aus, muß der Staat über die Trading Hub Europe einspringen oder die Kosten auf die Verbraucher umlegen.
Auch beim Ausbau der Offshore-Windkraft wachsen die Probleme. Die Bundesregierung strebt bis 2030 Anlagen mit 30 Gigawatt Nennleistung an. Tatsächlich waren Mitte 2025 erst 9,2 Gigawatt installiert. Eine Ausschreibung über 2,5 Gigawatt im August 2025 blieb sogar ohne jedes Gebot. Hohe Bau- und Finanzierungskosten sowie unsichere Erträge schrecken Investoren ab. Die Branche fordert deshalb staatlich garantierte Strompreise und weitere Absicherungen.
Will sagen: Windkraft ersetzt keine jederzeit verfügbare Kraftwerksleistung. Bei Dunkelflauten sind weiterhin regelbare Kraftwerke erforderlich. Deshalb plant die Bundesregierung parallel neue Gaskraftwerke und bleibt damit auf zusätzliche Gasimporte angewiesen. So entsteht eine kostenintensive Doppelstruktur aus wetterabhängigen Erzeugern und konventionellen Reservekapazitäten, die über Subventionen, Netzentgelte und staatliche Garantien finanziert werden muß.
Alles in allem ist die aktuelle Verwundbarkeit Deutschlands keineswegs allein auf internationale Krisen, sondern auch auf energiepolitische Entscheidungen der vergangenen Jahre zurückzuführen. (se)
Bild: Pixabay/gemeinfrei
Fordern Sie hier ein kostenloses Leseexemplar des Deutschen Nachrichtenmagazins ZUERST! an oder abonnieren Sie hier noch heute die Stimme für deutsche Interessen!
Folgen Sie ZUERST! auch auf Telegram: https://t.me/s/deutschesnachrichtenmagazin
Kommentare 0
Noch keine Kommentare. Schreiben Sie den ersten!