Das treibt die Inflation nach oben: Huthis sperren jetzt auch Bab-al-Mandab

Das treibt die Inflation nach oben: Huthis sperren jetzt auch Bab-al-Mandab
Foto: Symbolbild

Paris/London. Nach den jüngsten US-Angriffen auf iranische Infrastruktureinrichtungen hat Teheran seine Drohung wahrgemacht und ist dabei, nach der Straße von Hormus jetzt auch die nicht weniger wichtige Meerenge Bab-al-Mandab, die Einfahrt zum Roten Meer, für den Schiffsverkehr zu schließen. Hier sind es die mit Teheran verbündeten Huthi, die von Jemen aus den internationalen Schiffsverkehr ins Visier nehmen und so das Risiko für die Reedereien unkalkulierbar machen. Die Auswirkungen sind immens.

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Nach Angaben des Analyseunternehmens Kpler ist der Schiffsverkehr durch die Meerenge Bab al-Mandab binnen weniger Tage um 56 Prozent eingebrochen. Passierten am 20. Juli noch 34 Frachtschiffe die Wasserstraße, waren es am darauffolgenden Sonntag nur noch 15. Neun Schiffe verließen das Rote Meer, sechs liefen ein. Transportiert wurden unter anderem Rohöl, Getreide und Düngemittel mit Zielhäfen in China, Indien, Pakistan und den Niederlanden.

Ausschlaggebend für die Entwicklung ist die von den Huthi verkündete Seeblockade gegen Saudi-Arabien, die inzwischen nach ihren eigenen Angaben den gesamten Schiffsverkehr erfaßt, der saudische Häfen anläuft oder verläßt. Zudem meldeten die Huthi eine „qualitativ hochwertige militärische Operation“ gegen zwei saudische Tanker im Roten Meer.

Die Bab-al-Mandab-Straße verbindet das Rote Meer mit dem Golf von Aden und zählt neben der Straße von Hormus und dem Suezkanal zu den wichtigsten maritimen Engpässen der Welt. Ein erheblicher Teil des Welthandels und der Energieversorgung nutzt diese Route. Bereits die Furcht vor Angriffen reicht aus, um Reedereien zur Umleitung ihrer Schiffe über das Kap der Guten Hoffnung zu bewegen. Diese Ausweichroute verlängert die Fahrzeit zwischen Europa und Asien je nach Ziel um rund zwei bis zehn Wochen, erhöht den Treibstoffverbrauch, bindet zusätzliche Schiffe und treibt die Frachtraten sowie Versicherungsprämien nach oben.

Für Europa hätte eine länger anhaltende Störung erhebliche Folgen. Die europäische Industrie ist auf regelmäßige Lieferungen von Energie, Rohstoffen, Chemikalien und Vorprodukten angewiesen. Verzögerungen in der Seelogistik könnten Lieferketten massiv belasten, Produktionskosten erhöhen und den Preisdruck verstärken. Besonders betroffen wären energieintensive Branchen sowie die Chemie-, Stahl- und Automobilindustrie. Auch die Verbraucher müßten bei zahlreichen Importgütern mit steigenden Preisen rechnen.

Auf den Energiemärkten verschärft sich die Lage ebenfalls. Die Unsicherheit wegen der Transportwege ließ den Ölpreis jüngst zeitweise über 100 Dollar je Barrel steigen. Gleichzeitig werden Tankerkapazitäten knapper, weil längere Fahrtrouten mehr Schiffe binden. Marktbeobachter weisen darauf hin, daß bereits die Verlagerung von Transporten erhebliche Mehrkosten verursacht und die Versorgung anfälliger für weitere Krisen macht.

Sollte die Passage dauerhaft beeinträchtigt bleiben, dürfte dies Auswirkungen weit über den Energiesektor hinaus haben. Höhere Transportkosten, längere Lieferzeiten und zunehmende Unsicherheit würden den Welthandel bremsen und die ohnehin angespannte Lage der europäischen Volkswirtschaften zusätzlich verschärfen. (mü)

Bild von Franck Barske auf Pixabay

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