Daimler Truck-Chefin enthüllt: So macht uns die Brüsseler CO2-Politik kaputt
Stuttgart. Die Klima- und CO2-Vorschriften der EU strangulieren die Wirtschaft – langsam, aber sicher. Aber nur selten gehen Firmenschefs damit an die Öffentlichkeit und sprechen Klartext. Zu den Ausnahmen gehört Karin Rådström, Chefin von Daimler Truck. Sie ließ dieser Tage gegenüber der dpa keinen Zweifel daran, daß die neuen EU‑Vorgaben zur CO2-Reduzierung schwere Nutzfahrzeuge extrem belasten. Die Verordnung (EU) 2024/1610 verlangt bis 2030 eine Senkung der Emissionen um 45 Prozent gegenüber 2019. Wer dieses Ziel verfehlt, zahlt saftige Strafen.
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Rådström rechnet vor: für jeden Prozentpunkt, den die Flotte die Vorgaben nicht erreicht, werden rund 120 Millionen Euro fällig. Schon bei einer Abweichung von zehn Prozent würde die Truck-Sparte von Mercedes-Benz kaum noch Gewinn abwerfen. 2025 lag das operative Ergebnis dort bei 698 Millionen Euro, bereits unter dem Vorjahreswert. Die Managerin unterstreicht, daß solche Summen nicht nur den Konzern selbst, sondern auch Standorte, Zulieferer und Beschäftigte treffen.
Zwar produziert Daimler Truck hochmoderne batterieelektrische und wasserstoffbetriebene Lkw in Serie, aber der Absatz bleibt weit hinter den politischen Erwartungen zurück. 2025 hatten nur zwei Prozent der neu zugelassenen schweren Lkw in Europa einen emissionsfreien Antrieb. Um die EU‑Ziele zu erreichen, müßten es bis 2030 etwa 35 Prozent sein. Viele Speditionen zögern jedoch, weil verläßliche Lade‑ und Tankmöglichkeiten fehlen und die Betriebskosten nicht mit Diesel konkurrieren können.
Europa bräuchte nach Angaben der Branche bis 2030 rund 35.000 Schnellladepunkte für schwere Nutzfahrzeuge. Derzeit existieren kaum tausend. Die Daimler Truck-Chefin sagt dazu: „Die Kunden können noch nicht sicher sein, daß sie die Lkw auch aufladen können.“
Bereits 2025 hatten Daimler Truck und andere Hersteller die EU‑Kommission in einem Schreiben um mehr Flexibilität gebeten, etwa durch ein Gutschriftensystem. Rådström, die auch den Nutzfahrzeug‑Ausschuß des Herstellerverbands ACEA leitet, erklärte: „Es ist noch zu früh zu sagen, daß wir die Ziele ändern müssen.“ Angesichts des langsamen Infrastrukturaufbaus und fehlender Maßnahmen in wichtigen EU‑Staaten sei jedoch absehbar, daß die Branche mehr Zeit brauche. (se)
Bild: Pixabay/gemeinfrei
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