Ceuta-Illegale: Plötzlich sind alle sexuell verfolgt

Ceuta-Illegale: Plötzlich sind alle sexuell verfolgt
Foto: Symbolbild

Ceuta. Um die spanische Exklave Ceuta ist es wieder still geworden, aber der Migranten-Tsunami Ende Juli ist weder vergessen noch bewältigt. Noch immer halten sich rund 10.000 überwiegend marokkanische Illegale in Ceuta auf. Seit dem Massenansturm wurden knapp 1.200 Asylanträge gestellt. Nach Recherchen der Zeitung „ABC“ berufen sich inzwischen rund 70 Prozent der Antragsteller auf Verfolgung wegen ihrer sexuellen Orientierung. Polizeikreisen zufolge stammen etwa 95 Prozent von ihnen aus Marokko.

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Unmittelbar nach den Grenzübertritten hätten viele Migranten zunächst wirtschaftliche Gründe angeführt: fehlende Arbeitsplätze und bessere Lebensperspektiven in Spanien. Mittlerweile dominiere ein anderer Asylgrund. Die Polizei vermutet, daß Antragsteller gezielt beraten werden, mit welchen Ausreden sie ihre Chancen auf Asyl verbessern könnten. In Marokko stehen auf gleichgeschlechtliche sexuelle Handlungen bis zu drei Jahre Haft.

Raúl Piera von der spanischen Polizeigewerkschaft SUP in Ceuta sprach gegenüber der Lokalzeitung „El Pueblo de Ceuta“ von noch höheren Zahlen. Bereits drei Wochen nach den Grenzübertritten hätten zwei Drittel der Antragsteller sexuelle Verfolgung geltend gemacht; inzwischen liege der Anteil seiner Einschätzung nach bei 90 Prozent. Eine amtliche Statistik dazu gibt es allerdings nicht.

Ende Juli waren binnen zwei Tagen bis zu 80.000 Illegale nach Ceuta gelangt. Die meisten kehrten anschließend nach Marokko zurück. Die Verbliebenen stellen die Behörden weiterhin vor erhebliche Probleme. Ceutas Regierungschef Juan Vivas warf der sozialistischen Regierung von Ministerpräsident Pedro Sánchez vor, zu spät und unzureichend reagiert zu haben. Sánchez weist den Vorwurf zurück, seine Regierung habe fahrlässig gehandelt. Wie es überhaupt zu dem massenhaften Grenzübertritt kommen konnte, ist weiterhin ungeklärt. (mü)

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