Scharia im Schwimmbecken?

Scharia im Schwimmbecken?
Foto: Symbolbild

Salurn ist die südlichste Gemeinde Südtirols; die Salurner Klause bildet historisch und geographisch die Grenze zwischen dem deutschen und dem italienischen Sprach- und Kulturraum. Die große Mehrheit der rund 4.000 Einwohner zählenden Gemeinde gehört heute der italienischen Sprachgruppe an, weshalb der Erhalt der ethnischen Identität für die deutsche Sprachgruppe eine ständige Herausforderung darstellt. Besondere Bedeutung hat dabei die Tatsache, daß der Ausländeranteil inzwischen bei rund 20 Prozent liegt und daß sich die Ausländer mit großer Mehrheit der italienischen Sprachgruppe zuwenden.

Aktuell sind es jedoch nicht ethnische Auseinandersetzungen, die das Dorf spalten, sondern die Ursachen für eine über die Landesgrenzen hinausreichende Diskussion sind kultureller Natur – und zwar sprachgruppenübergreifend.

Worum geht es? Das Freibad der Gemeinde Salurn hat eine eigene Schwimmzeit für Musliminnen eingeführt. Montags nach dem regulären Badebetrieb steht das Bad ausschließlich dem Verein „Armonia" und Frauen der muslimischen Gemeinde offen, wobei das Tragen eines Burkini erlaubt ist. Der Pächter des Freibades bezeichnet die Sonderöffnung als Beitrag zu mehr Inklusion; den migrantischen Frauen solle mehr Bewegung, Begegnung und gesellschaftliche Teilhabe ermöglicht werden.

Heftige Kritik hagelte es umgehend von politischer Seite, vor allem von den Freiheitlichen und von der Lega. Die Freiheitlichen lehnen die Initiative entschieden ab und sehen darin ein falsches Signal für die Integration. Durch die Maßnahme werde ein Frauenbild gefördert, das mit Geschlechtertrennung und Verschleierung verbunden sei.

Unterstützung kam hingegen von der Senatorin der Südtiroler Volkspartei (SVP), Julia Unterberger. Sie erklärte, daß viele muslimische Frauen ohne dieses Angebot gar nicht schwimmen gehen würden. Die Initiative ermögliche Sport, soziale Kontakte und mehr gesellschaftliche Teilhabe. Auch Bürgermeister Roland Lazzeri verteidigte das Modell und verwies darauf, daß der private Betreiber frei über die Nutzung seines Schwimmbads entscheiden könne.

Schließlich stimmte auch der Landesbeirat für Chancengleichheit in den Chor der Befürworter ein. Dieser bemühte „Inklusion", „Dialog" und „Selbstbestimmung" als Pro-Argumente. Bemerkenswert war dabei die Aussage: „Immer gibt es jemanden, der glaubt, bestimmen zu können, was der ‚richtige' Weg ist, eine Frau zu sein."

Genau hier liegt der Widerspruch der Stellungnahme. Religiöse Bekleidungsvorschriften und traditionelle islamische Rollenbilder sind schließlich nicht vom Himmel gefallen. Sie beruhen auf religiösen und gesellschaftlichen Vorstellungen, die über Jahrhunderte festgelegt haben, wie sich Frauen zu kleiden und in der Öffentlichkeit zu verhalten haben. Die Aussage, eine eigene Schwimmzeit könne Frauen helfen, ein „besonders abgeschottetes familiäres Umfeld" zu verlassen, müßte eigentlich die Alarmglocken schrillen lassen. Wenn Frauen nur dann ein Schwimmbad besuchen können oder dürfen, wenn Männer ausgeschlossen werden, sollte eine emanzipatorische Politik doch zuerst fragen, warum diese Frauen ansonsten nicht teilnehmen können oder dürfen. Die Antwort darauf kann nicht sein, die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen nach und nach an die Abschottung anzupassen. Dies hat mehr mit linker Gesellschaftspolitik zu tun als mit konkreter Frauenpolitik und markiert eine Haltung, die kulturelle Sonderregelungen mit den Begriffen „Vielfalt, Inklusion und Selbstbestimmung" rechtfertigt, ohne zu fragen, wo Integration endet und gesellschaftliche Segregation beginnt.

Zwischen der individuellen Freiheit einer Frau und der politischen Institutionalisierung kulturell und religiös begründeter Sonderregelungen besteht ein gewaltiger Unterschied. Wenn öffentliche Einrichtungen beginnen, ihre Angebote an Vorstellungen anzupassen, nach denen Frauen und Männer voneinander getrennt werden sollen, muß die Politik die Frage beantworten, ob damit Integration tatsächlich gefördert oder einer Parallelgesellschaft Tür und Tor geöffnet wird. Frauenrechte sind bei uns nicht verhandelbar, und Gleichberechtigung braucht keine kulturell-religiösen Sonderzonen.

Einer hat mit seinem globalen Islamisierungsanspruch vor langer Zeit festgelegt, was der richtige Weg ist, eine Frau zu sein, und was von weiblicher Selbstbestimmung zu halten ist: der Prophet Mohammed. Dies blenden unsere Feministinnen und linken Tagträumer gerne aus, und ein rosaroter und „woker" Islam ist nicht in Sicht.

Friedrich Hebbel meinte im fernen Jahr 1862: Dies Österreich ist eine kleine Welt, in der die große ihre Probe hält. Ist Salurn heute eine dieser kleinen Welten?

Pius Leitner ist Ehrenobmann der Südtiroler Freiheitlichen.

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