Nur noch Platz vier: Europa hat keine Priorität mehr für Washington

Nur noch Platz vier: Europa hat keine Priorität mehr für Washington
Foto: Symbolbild

Washington/Brüssel. Jeder ist sich selbst der Nächste, das gilt auch für Länder – jedenfalls für solche mit einem intakten Sinn für die eigenen Interessen. Die USA unter Präsident Donald Trump gehören zweifellos dazu. Deshalb sprach Matthew Whitaker, Ständiger US-Vertreter bei der NATO, jetzt Klartext. Beim Warschauer Sicherheitsforum am 12. und 13. Oktober 2026 machte er deutlich, daß Europa für die Trump-Regierung nicht mehr zu den vorrangigen Sicherheitsregionen zählt. In der amerikanischen Prioritätenliste rangiere Europa lediglich noch auf Platz vier – hinter den USA selbst, der westlichen Hemisphäre und dem Pazifikraum.

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Whitaker forderte die europäischen NATO-Mitglieder auf, ihre Verteidigungsanstrengungen erheblich zu verstärken: „Die USA machen keinen Schritt zurück. Wir bitten euch einfach darum, einen Schritt nach vorne zu machen, um auf das gleiche Niveau wie die USA zu kommen, um genau so viel zu investieren, wie wir es in den letzten 77 Jahren getan haben, und um glaubwürdig in Bezug auf eure Fähigkeiten zu sein.“

Höhere Verteidigungsausgaben seien zugleich ein Motor des Wirtschaftswachstums. Europa habe es allerdings über zwei Jahrzehnte hinweg versäumt, Rüstungsindustrie, Technologien und die Produktion militärisch wie zivil nutzbarer Güter ausreichend weiterzuentwickeln. Da die US-Verteidigungsausgaben 2026 bis zu 1,5 Billionen US-Dollar erreichen könnten, werde die amerikanische Industrie vor allem mit Aufträgen für die eigenen Streitkräfte ausgelastet sein. Whitaker plädierte deshalb für eine stärkere europäische Rüstungsproduktion und eine gemeinsame transatlantische Verteidigungsindustrie.

Die Forderung erhält zusätzliches Gewicht durch jüngste Lieferengpässe. Im Zusammenhang mit dem Krieg gegen Iran hatten die USA Waffenverkäufe und Auslieferungen an europäische NATO-Partner eingeschränkt. Betroffen waren unter anderem „Tomahawk“-Marschflugkörper, „Patriot“-Abfangraketen und HIMARS-Munition. Die Sorge wächst, daß die Wiederauffüllung der amerikanischen Bestände bei einzelnen Waffensystemen bis zu 42 Monate dauern könnte.

Für Europa bedeutet das: die Abhängigkeit von US-Lieferungen wird zunehmend zum strategischen Risiko. Mehr eigene europäische Produktion und mehr eigene Rüstung wird damit nicht nur zur ökonomischen Chance, sondern schlicht zur sicherheitspolitischen Notwendigkeit. Die Europäer werden nicht umhin kommen, sich auf die eigenen Hinterfüße zu stellen. (mü)

 Bild: Pixabay/gemeinfrei

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