Entlarvende Kriegserklärung: Netanyahu erklärt Dugin zum Gegner
Tel Aviv/Moskau. Der russische Philosoph und Geopolitiker Alexander Dugin, bisher bevozugtes Haßobjekt westlicher Linker und Ukraine-Unterstützer, hat jetzt noch einen weiteren prominenten Gegner: den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanyahu. Dieser befindet sich derzeit im Wahlkampf und tritt nach allen Seiten. Dugin wirft er vor, den Antisemitismus im Westen zu befeuern. Der Attackierte weist das strikt von sich – verweist aber auf den wachsenden Widerstand, mit dem sich Netanyahus Zionismus neuerdings auch in den Reihen westlicher Konservativer konfrontiert sieht.
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Bei einem Treffen mit russischsprachigen israelischen Aktivisten bezeichnete der israelische Regierungschef Dugin wörtlich als „schrecklichen Mann“, dessen Ideen insbesondere junge amerikanische Konservative vergifteten. „Die Hauptquelle des Antisemitismus im Westen ist leider die Tätigkeit russischer Organisationen und dieses schrecklichen Mannes, Dugin“, ereiferte sich Netanyahu.
Auslöser dieser Unterstellung war die Kritik der israelischen Aktivistin Arina Aminov, Gründerin der Hasbara Association, an der Vernachlässigung russischsprachiger Zielgruppen bei israelischen Informationskampagnen. Netanyahu erwiderte, russische Organisationen und Dugin seien wesentliche Quellen des Widerstands gegen Israel. „Sie arbeiten zusammen. Sie haben Allianzen“, behauptete er. Der Kampf gegen antisemitische Botschaften müsse auch mit Hilfe künstlicher Intelligenz (!) und staatlicher Institutionen geführt werden – eine Feststellung, die tief blicken läßt und einen Blick auf die Methoden der israelischen PR-Arbeit freigibt, natürlich auch in Deutschland.
Dugin reagierte auf Telegram mit einer ausführlichen Erklärung. Er verurteilte Israels Vorgehen im Gazastreifen und bekannte sich zur russischen Position sowie zur Zusammenarbeit mit dem Iran. Zugleich bestritt er, an der weltweiten Ablehnung Israels unter Konservativen schuld zu sein. „Ich bin gewiß nicht der Anstifter anti-zionistischer Stimmung, obwohl solche Stimmungen unter meinen Anhängern existieren“, schrieb er.
Seine eigene Position beschreibt Dugin als die eines „russisch-orthodoxen Patrioten“ und Unterstützers Wladimir Putins. Rußland verstehe er als eigenständige Zivilisation, die sich der westlicheh Hegemonie widersetzen müsse. Zugleich betonte er: „Ich bin gewiß kein Antisemit in irgendeinem Sinne.“ Juden hätten ebenso ein Existenzrecht wie Palästinenser, Iraner und andere Völker. „Jedes Volk, das verschwindet, macht die Menschheit ärmer. Das ist falsch.“
Der Streit berührt den lauter werdenden Streit im weltweiten rechten Lager, was Israel angeht. Dugins Vorstellungen einer multipolaren Weltordnung finden auch unter amerikanischen Konservativen Anklang, die Washingtons außenpolitische Verpflichtung Israel gegenüber und die Unterstützung Israels zunehmend hinterfragen. Netanyahu sieht darin eine Gefahr nicht nur für die traditionell enge amerikanisch-israelische Allianz, sondern vor allem für die Position Israels im Nahen Osten, die zunehmend gefährdet erscheint – allerdings nicht zuletzt durch die israelische Politik selbst. (mü)
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