Die Schatten des Krieges: Großbritannien diskutiert über Strafen für Wehrdienstverweigerer
London. Großbritannien hat derzeit keine Wehrpflicht. Trotzdem wird darüber diskutiert, wie Kriegsdienstverweigerer im Ernstfall bestraft werden könnten. Die Zeitung „Express“ überschrieb jüngst einen Beitrag dazu mit den Worten: „Harte Strafen drohen Briten, die sich der Wehrpflicht verweigern, während die Angst vor einem Dritten Weltkrieg rasant zunimmt“.
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Der Historiker und Autor David Swift äußerte sich gegenüber dem Blatt zu einem möglichen künftigen Einberufungssystem. Er rechnet eher mit Geldbußen als mit Gefängnis. „Ich kann mir vorstellen, daß es eher Geldstrafen als Haftstrafen oder Ähnliches geben würde, und zwar aus folgenden Gründen: 1. Mangelnde Kapazitäten in den Gefängnissen. 2. Schwierigkeiten bei der Durchsetzung und mangelnde Legitimität sowie 3. die Tatsache, daß sich die ‚Wehrpflicht‘, sollte sie eingeführt werden, stark auf finanzielle Anreize konzentrieren würde.“
Über eine Wiedereinführung der Wehrpflicht wird in Großbritannien bereits seit Beginn des Ukraine-Krieges diskutiert. Das Land befindet sich offiziell zwar nicht im Krieg, verfolgt aber eine extrem aggressive Eskalationspolitik gegenüber Rußland. Bleibt London dieser Linie treu, ist ein „heißer“ militärischer Konflikt mit Rußland nicht auszuschließen.
Der Blick auf die Ukraine zeigt, welche Folgen eine Mobilisierung im Krieg haben kann. Männer im wehrfähigen Alter dürfen das Land nicht verlassen. Rekrutierungen erfolgen teils auf offener Straße, teils unter Einsatz körperlicher Gewalt. Für viele Eingezogene endet der Einsatz an der Front tödlich.
Swift spricht nicht für die Regierung. Seine Überlegungen zeigen lediglich, daß die Folgen einer möglichen Wehrpflicht bereits in der öffentlichen Diskussion sind. Mit einer weiteren Verschärfung der Situation zwischen NATO und Rußland könnte auch die Frage nach Sanktionen gegen Wehrdienstverweigerer stärker in den Fokus rücken.
Auch in Deutschland. Hier existiert ebenfalls – noch – keine allgemeine Wehrpflicht. Beobachter halten aber die Ausrufung des Spannungsfalles in absehbarer Zeit für denkbar. Dann ist es mit der Freiwilligkeit vermutlich schnell vorbei. Es ist deshalb nicht verkehrt, die Entwicklung in anderen Ländern aufmerksam zu verfolgen. (mü)
Bildquelle: Pixabay/gemeinfrei
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