Auch in Italien: Rücksicht auf Muslime schon in der Schulmensa

Auch in Italien: Rücksicht auf Muslime schon in der Schulmensa
Foto: Symbolbild

Rom. Italien bleibt vom Kulturwandel im Zeitalter der Massenzuwanderung nicht verschont. Ausgerechnet in Friaul, der Heimat des berühmten San-Daniele-Schinkens, verschwindet Schweinefleisch zunehmend von den Speiseplänen öffentlicher Schulmensen. In Pordenone, Sacile und San Vito al Tagliamento fehlen entsprechende Gerichte nach Angaben der italienischen Nachrichtenagentur ANSA inzwischen vollständig. In Spilimbergo müssen Eltern eigens darum bitten, damit ihre Kinder Schinken auf der Pizza oder San-Daniele-Schinken in der Lasagne erhalten. Auf dem Vormarsch sind dagegen Curryhuhn und Couscous – man muß nicht lange fragen, welche Schülerklientel dadurch besonders hofiert wird.

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Die italienische Nachrichtenagentur ANSA stellt denn auch einen Zusammenhang mit der wachsenden Zahl muslimischer Schüler her. In Pordenone haben mittlerweile 20,9 Prozent der Schüler einen ausländischen Hintergrund, in einzelnen Schulverbünden sind es bis zu 30 Prozent. Die Statistik erfaßt allerdings nicht die Religionszugehörigkeit. Gleichwohl ist die Anpassung der Schulverpflegung an islamische Ernährungsvorschriften längst ein politischer Streitfall.

Italiens Bildungsminister Giuseppe Valditara (Lega) hat für den Rückzug traditioneller italienischer Gerichte kein Verständnis. Gegenüber der Zeitung „Il Giornale“ bezeichnete er die Entfernung des Schinkens aus Rücksicht auf islamische Ernährungsgewohnheiten als „ein beunruhigendes Zeichen für die Aufgabe unserer Identität“. Muslimische Kinder müßten selbstverständlich geeignete Alternativen erhalten. Daraus dürfe jedoch keine Einschränkung des Speiseangebots für alle anderen entstehen. Integration dürfe nicht bedeuten, regionale Traditionen und die heimische Lebensmittelwirtschaft preiszugeben.

Auch die Lega-Europaabgeordnete Anna Maria Cisint warnt vor kulturellen Zugeständnissen: „Wir dürfen keinen kulturellen Rückzug hinnehmen, der dem radikaleren Islam Raum verschafft.“ Die Regionalpolitikerin Lucia Buna hält Curryhuhn und Couscous zwar für akzeptable Ergänzungen, verlangt aber, daß traditionelle Gerichte des Friauls erhalten bleiben. Schließlich sollten Schulmensen Kindern auch die kulinarischen Traditionen ihrer Heimat vermitteln.

Die Verantwortlichen verweisen auf Ernährungsempfehlungen, die den Konsum von rotem Fleisch und verarbeiteten Wurstwaren begrenzen sollen. Allerdings bleiben Hamburger und Rindergulasch auf manchen Speiseplänen erhalten. Pordenones Bürgermeister Alessandro Basso (Fratelli d’Italia) erklärte am 15. Oktober, seine Stadt habe keinen Verzicht auf Schweinefleisch angeordnet. Maßgeblich seien vielmehr Vorgaben der Gesundheitsbehörde ASFO und die schwierige Beschaffung biologischen Schweinefleisches. Zugleich kündigte er Gespräche über eine stärkere Berücksichtigung regionaler Spezialitäten an.

In Deutschland gibt es ähnliche Entwicklungen bereits seit Jahren – aus demselben Grund. In Gelsenkirchen etwa werden seit letztem Jahr neun Schulen ausschließlich mit halal-konformen Gerichten versorgt. Ein Beschluß des städtischen Essensbeirats aus dem Jahr 2010 verpflichtet die beteiligten Anbieter zum Verzicht auf Schweinefleisch. (rk)

Bild: Pixabay/Gemeinfrei

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