Westliches Kalkül geht nicht auf: Rußlands Ölgeschäft boomt trotz Angriffen
Moskau. Seit Monaten frohlocken westliche Medien und Politiker: die ukrainischen Angriffe auf die russische Öl-Infrastruktur, zum Teil tief im Landesinneren, schädigten die russische Wirtschaft massiv und bedrohten sogar die russische Kriegführung. Aber: nichts ist falscher. Die ukrainischen Angriffe haben die russische Ölförderung und den Export bislang nicht entscheidend gebremst. Im Gegenteil: letzte Woche erreichten die geschätzten Einnahmen aus dem seegestützten Rohölexport den höchsten Stand seit 2022. Ausschlaggebend ist dafür vor allem der stark gestiegene Weltmarktpreis, der wegen der unsicheren Lage an der Straße von Hormus zeitweise über 100 Dollar je Barrel lag.
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Nach Berechnungen des Wirtschaftsnachrichtendienstes Bloomberg wurden zuletzt rund 3,99 Millionen Barrel russisches Rohöl täglich auf dem Seeweg ins Ausland geliefert. Der Wert der innerhalb einer Woche von russischen Häfen aus verschifften Mengen wird auf etwa 2,75 Milliarden Dollar geschätzt. Gegenüber der Vorwoche entspricht das einem Zuwachs von rund 180 Millionen Dollar. Auch die Einnahmen pro Barrel liegen deutlich über dem Niveau der vergangenen Monate.
Ein wichtiger Abnehmer ist China. Peking verfügt zwar über beträchtliche Rohölreserven, hat seine Käufe in Rußland angesichts der angespannten internationalen Versorgungslage jedoch ausgeweitet. Zugleich sucht der Weltmarkt nach zusätzlichen Lieferquellen.
Rußland kann seine Ölprodukte allerdings nicht wie bisher ausführen. Der Kreml begrenzt die Kraftstoffexporte, um den heimischen Markt zu versorgen. Das Diesel-Exportverbot für russische Produzenten wurde bis zum 30. September verlängert; für andere Exporteure gelten weiterhin Beschränkungen bei Benzin und bestimmten Dieselsorten.
Dadurch bleibt mehr Rohöl im Land, als die heimischen Raffinerien verarbeiten können. Das Portal „UA News“ beschreibt die Folge so: „Rußland kann nicht mehr so viele Erdölprodukte exportieren wie zuvor, verfügt aber über einen Überschuß an Rohöl, den es im Inland nicht vollständig verarbeiten kann. Folglich wird der Ölüberschuß auf den Auslandsmarkt umgeleitet.“
Die Folge sind steigende Seeexporte. Auch der längerfristige Vergleich bestätigt den Anstieg: der durchschnittliche Wochenwert der russischen Rohölexporte lag in den vergangenen vier Wochen bei rund 2,39 Milliarden Dollar. Gegenüber dem vorherigen Vierwochenzeitraum bedeutet das ein Plus von etwa 290 Millionen Dollar und den höchsten Wert seit der zweiten Maihälfte.
Wie lange diese Entwicklung anhält, hängt wesentlich vom Weltmarkt ab. Sollten die Lieferungen aus dem Nahen Osten wieder zunehmen, könnte der Preisdruck nachlassen und Rußland demzufolge für seine Exporte nicht mehr die hohen Einnahmen wie derzeit erzielen. Nach Reuters haben Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate ihre Exporte im September bereits gesteigert und mit dem Wiederaufbau beschädigter Infrastruktur begonnen. Ein größeres Angebot könnte den Ölpreis und damit Rußlands Exporterlöse beeinflussen. Für 2026 und 2027 werden allerdings weiterhin vergleichsweise hohe Ölpreise erwartet. (mü)
Bild: Pixabay/Gemeinfrei
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