Vorsorgliche Schmutzkampagne: Antisemitismus-Vorwürfe gegen RN-Chef Bardella

Vorsorgliche Schmutzkampagne: Antisemitismus-Vorwürfe gegen RN-Chef Bardella
Foto: Symbolbild

Paris. Der Chef des französischen Rassemblement National (RN), Jordan Bardella, hat es derzeit nicht leicht. Innerparteilich hat er seit geraumer Zeit gegen Widerstände anzukämpfen, die mit der langjährigen Vorsitzenden und Europaabgeordneten Marine Le Pen zu tun haben. Seitdem feststeht, daß sie zur Präsidentschaftswahl im kommenden Frühjahr antreten kann, festigt sie in der Partei ihre Position – zu Lasten Bardellas, der vor einigen Jahren sicherheitshalber als Parteichef installiert wurde, für den Fall, daß sie von der Justiz aus dem Verkehr gezogen würde (wir berichteten).

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Jetzt hat Bardella noch ein weiteres Problem am Bein: er sieht sich mit Antisemitismus-Vorwürfen konfrontiert. Die Denunziantenplattform „Mediapart“, vergleichbar dem deutschen Pendant „Campact“, beruft sich auf schriftliche Nachrichten aus den Jahren 2013 bis 2015, die sie nach eigenen Angaben unabhängig überprüft haben will. Darin soll Bardella antisemitische und verschwörungsideologische Vorstellungen über den jüdischen Einfluß und eine angebliche (!) neue Weltordnung verbreitet haben. Unter anderem wird ihm der Satz zugeschrieben: „Alle Banken sind im Besitz von Juden.“

Bardella weist die Vorwürfe zurück. Auf X erklärte der heute 31jährige: „Ich bestreite die Anschuldigungen gegen mich durch ´Mediapart´ formell, wonach mir wahnsinnige und antisemitische Aussagen zugeschrieben werden, die ich angeblich getroffen habe, als ich minderjährig war.“ Er bezeichnete die Veröffentlichungen als „plumpe Fälschungen“ und kündigte rechtliche Schritte an. „Mediapart“ wirft ihm hingegen einen „zwanghaften Antisemitismus“ vor.

Beim RN vermutet man hinter den Anschuldigungen – mit einer gewissen Berechtigung – ein politisches Manöver. Denn für den Fall, daß Marine Le Pen nächstes Jahr Präsidentin werden sollte, ist er für den Posten des Regierungschefs gesetzt. Mit den jetzt bekannt werdenden Vorwürfen soll Bardella schon im vorhinein beschädigt werden. 

Peinlich sind die Anwürfe gleichwohl. Denn seit langem bemüht sich die RN-Führung demonstrativ um die „Ent-Diabolisierung“ der Partei und geriert sich als besonders juden- und israel-freundlich. Da passen Gerüchte über judenkritische Ausrutscher des Parteichefs nicht gut ins Bild. (mü)

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