Trump droht mit neuer Iran-Eskalation: Jetzt doch Bodenkrieg?
Washington/Teheran. Der Iran-Krieg ist für alle Beteiligten und nicht zuletzt für US-Präsident Donald Trump, der ihn Ende Februar zusammen mit Israel vom Zaun gebrochen hat, auch ein Nervenkrieg. In wenigen Wochen sind in den USA die Midterms, und Trump braucht dringend einen Erfolg. Nun läßt das Weiße Haus offenbar neue Luftangriffe vorbereiten. Zugleich sehen Beobachter die Gefahr, daß aus weiteren Luftschlägen eine Bodenoffensive wird – doch das würde selbst die Weltmacht Nummer 1 überfordern: den USA fehlt es nach Einschätzung von Fachleuten an den nötigen Truppen.
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Nach einem Bericht des US-Magazins „The Atlantic“ hat das Weiße Haus das Pentagon angewiesen, Optionen für weitere Angriffe noch vor den Kongreß-Zwischenwahlen am 3. November auszuarbeiten. Seit Wochen haben die US-Streitkräfte den Iran nicht mehr bombardiert – auch deshalb, weil der Iran mehr als einmal bewiesen hat, daß er der Air Force die Lufthoheit über seinem Territorium streitig zu machen vermag.
Über Ziele, Ausmaß und die tatsächliche Umsetzung einer neuen Kampagne wird derzeit noch beraten. Aber selbst Befürworter halten größere Erfolge für unwahrscheinlich. Weder eine Rückkehr Teherans an den Verhandlungstisch noch eine dauerhafte Sicherung der Straße von Hormus oder sinkende Treibstoffpreise gelten als realistisch.
Im Vordergrund steht offenbar die amerikanische Innenpolitik. Trump hatte im Wahlkampf versprochen, keine neuen Kriege zu beginnen. Nun bereiten gestiegene Energiepreise und sinkende Umfragewerte den Republikanern Sorgen; manche Kandidaten betrachten den Präsidenten bereits als handfeste Belastung. Fachleute bezweifeln, daß weitere Angriffe die eigene Wählerschaft mobilisieren könnten.
Trump schloß gegenüber dem Magazin „Time“ am 28. September zusätzliche Luftschläge ausdrücklich nicht aus. Zugleich kündigte er an, der Krieg werde „direkt“ nach den Zwischenwahlen enden. Die Verlegung einer dritten amerikanischen Flugzeugträgergruppe und weiterer 10.000 Soldaten in die Region gibt jedoch eher Grund zur Sorge, daß eine Ausweitung des Krieges bevorsteht.
Der Politikwissenschaftler Robert E. Kelly warnt im US-Portal „19FortyFive“ insbesondere vor einer Bodenoffensive. Als mögliche Ziele gelten die Insel Charg, Irans wichtigstes Ölterminal, oder ein Küstenstreifen an der Straße von Hormus. Solche Operationen könnten rasch weitere Einsätze nach sich ziehen: US-Stellungen wären iranischen Gegenangriffen ausgesetzt, benötigten Luftunterstützung und könnten zusätzliche Gebiete als Pufferzone beanspruchen. Amerikanische Verluste würden den politischen Druck erhöhen, den Einsatz auszuweiten – ein gefährliches Spiel.
Kelly verweist auf Irans dezentrale „Mosaik-Verteidigung“, die die militärische Widerstandsfähigkeit des Landes auch nach schweren Angriffen sichern soll. Eine Besetzung des Landes wäre angesichts seiner Größe, seiner rund 90 Millionen Einwohner und des gebirgigen Geländes nur mit mehr als 500.000 Soldaten denkbar, argumentieren Fachleute. Die aktive US-Armee zählt aber nur etwa 454.000 Mann. Eine größere Truppenstärke wäre ohne Wehrpflicht kaum zu haben.
Kelly hält es deshalb für möglich, daß Trump vor allem blufft, um Zugeständnisse zu erzwingen und anschließend einen Erfolg auszurufen. Doch wenn Teheran die Drohung nicht mehr ernst nimmt, könnte der Präsident unter Zugzwang geraten. Dann droht ein Krieg ohne ausreichende Kräfte – und ohne Exit-Strategie. (mü)
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