Spektakuläre Festnahme: War der frühere BND-Chef ein Landesverräter?

Spektakuläre Festnahme: War der frühere BND-Chef ein Landesverräter?
Foto: Symbolbild

Berlin. Der Fall hat das Zeug zu einem der größten deutschen Geheimdienstskandale der letzten Jahrzehnte: ausgerechnet gegen den früheren Präsidenten des Bundesnachrichtendienstes (BND), August Hanning, ermittelt jetzt die Bundesanwaltschaft. Der 1998 bis 2005 amtierende Chef des Auslandsgeheimdienstes wurde am Dienstag festgenommen. Im Raum stehen Vorwürfe auf landesverräterische Ausspähung, Auskundschaften von Staatsgeheimnissen, versuchten Landesverrat und geheimdienstliche Agententätigkeit. Für einen langjährigen Geheimdienstchef ein ordentliches Register.

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Zentrale Figuren und Spuren führen nach Israel. Nach seiner Amtszeit wechselte der BND-Chef in die private Sicherheits- und Beratungsbranche. Im Juli 2021 trat er dem Beirat der WHEN Group bei, eines israelischen Cybersicherheitsunternehmens. Dessen Präsident ist Danny Yatom, ehemaliger Chef des israelischen Auslandsgeheimdienstes Mossad. Der „Jerusalem Post“ sagte Hanning 2021, er habe über Jahre hinweg „sehr enge Arbeitsbeziehungen, sogar Freundschaften“ zu Angehörigen der israelischen Dienste unterhalten.

Die Ermittlungen, die Hanning jetzt zum Verhängnis werden könnten, führten zum Fall Christina Block. Die Tochter des Block-House-Gründers Eugen Block soll die Entführung ihrer Kinder aus der Obhut ihres Ex-Mannes beauftragt haben. Hanning soll als Verantwortlicher einer Sicherheitsfirma an einem ersten Versuch aus dem Jahr 2022 beteiligt gewesen sein; dafür seien mehr als 100.000 Euro geflossen. Im September 2025 ließ die Hamburger Staatsanwaltschaft seine Privat- und Geschäftsräume durchsuchen. Dabei entdeckten die Ermittler die Hinweise, die später bei der Bundesanwaltschaft landeten.

Laut Bundesanwaltschaft soll Hannings früherer Büroleiter Manfred D. ihm über Jahre geheime Informationen aus dem BND beschafft haben. Verabredet hätten sich die beiden dazu spätestens 2010. Bis Juni 2022 sollen fast 2.000 Dokumente geflossen sein, darunter zahlreiche Verschlußsachen und Unterlagen für hochrangige nachrichtendienstliche Lagebesprechungen im Bundeskanzleramt. Hanning soll das Material für seine private Beratungstätigkeit genutzt haben. In mindestens einem Fall soll er auf Grundlage geheimer BND-Erkenntnisse eine Analyse für einen Mitarbeiter eines ausländischen nachrichtendienstlichen Sicherheitsapparates erstellt haben. Zudem soll er über Jahre hinweg einen Angehörigen eines weiteren staatlichen Nachrichtendienstes mit politischen Informationen versorgt haben.

Die Kinder von Christina Block wurden in der Silvesternacht 2023 auf 2024 tatsächlich aus Dänemark nach Deutschland verschleppt. Soweit bisher bekannt, war daran die israelische Sicherheitsfirma Cyber Cupula beteiligt. Ihr Chef David Barkay spielte bei dem Entführungsversuch eine zentrale Rolle. Der NDR berichtet, Cyber Cupula und Barkay hätten die Kinder aus Dänemark nach Hamburg gebracht. Im Juni 2026 bestätigte Barkay vor dem Landgericht Hamburg, früher für den israelischen Geheimdienst gearbeitet zu haben. Wörtlich erklärte er: „Ich bestätige, daß ich in der Vergangenheit im israelischen Geheimdienst war.“ Ein anderer Zeuge sagte aus, Barkay sei Berufssoldat bei israelischen Spezialkräften und später Abteilungsleiter beim Mossad gewesen. Auch ein ehemaliger Leiter des israelischen Inlandsgeheimdienstes Shin Bet wird von Zeugen belastet.

Die Kontaktanbahnung zu Cyber Cupula verlief laut Zeugenaussagen über Personen mit Verbindungen in israelische Sicherheitskreise. Ein israelischer Zeuge erklärte vor dem Hamburger Landgericht, er verfüge über Kontakte in höchste deutsche und israelische Sicherheits- und Geheimdienstkreise. Er habe einen weiteren Verbindungsmann vermittelt, der in einer israelischen Einheit für elektronische Aufklärung gedient habe. Über diesen Kontakt sei Cyber Cupula ins Spiel gekommen.

Nicht öffentlich bekannt ist bislang, für welchen ausländischen Nachrichtendienst Hanning die beschriebene Analyse erstellt haben soll und mit welchem weiteren staatlichen Nachrichtendienst er über Jahre in Kontakt stand. Der „Spiegel“ berichtet über mögliche Verbindungen nach Aserbaidschan, einem der engsten Verbündeten Israels. (rk)

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