Spät und unzweckmäßig: Bundeswehr plant eigenes Drohnenregiment

Spät und unzweckmäßig: Bundeswehr plant eigenes Drohnenregiment
Foto: Symbolbild

Berlin. Über viereinhalb Jahre dauert der Krieg in der Ukraine nunmehr. Praktisch von Anbeginn an kamen Drohnen zum Einsatz, die seither das Geschehen auf dem Schlachtfeld vollkommen verändert haben. Doch an der Bundeswehr sind die Veränderungen so gut wie spurlos vorübergegangen: sie setzt wie eh und je auf Panzer und anderes schweres Gerät. Vom Drohnenkrieg im Osten hat man im Verteidigungsministerium zwar Kenntnis genommen – aber es dauert lange, viel zu lange, bis die Lehren aus dem Ukrainekrieg umgesetzt werden.

 

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Erst bis 2027 soll die Bundeswehr nun ein eigenständiges Drohnenregiment mit bis zu 600 Soldaten bekommen. Verteidigungsminister Boris Pistorius kündigte das jetzt auf dem Truppenübungsplatz Bergen in Niedersachsen an. „Wer sich zu Land durchsetzen will, der muß eben den Kampf mit unbemannten Systemen beherrschen“, sagte der SPD-Politiker. Der Schnellste ist er mit dieser Einsicht nicht.

 

Das Regiment soll Fähigkeiten bündeln und Reichweiten von kurzer Distanz bis zu 500 Kilometern abdecken. Vorgesehen sind dafür nicht nur Fluggeräte, sondern auch unbemannte Landsysteme. Hinzu kommt eine eigene Kompanie für den elektromagnetischen Kampf und sogenannte Loitering Munition, also bewaffnete Drohnen, die derzeit von der Bundeswehr erprobt werden und ab 2027 zulaufen sollen.

 

Nach bisherigen Planungen soll der Verband der 10. Panzerdivision unterstellt werden. Zu ihr gehört auch die Panzerbrigade 45, die in Litauen stationiert, aber noch weit von ihrer vollen Einsatzstärke entfernt ist.

 

Heeresinspekteur Generalleutnant Christian Freuding hatte zuletzt im Juni beim Besuch der Übung „Freedom Shield 2026“ in Litauen einen schnellen Ausbau unbemannter Waffensysteme gefordert. Für die Landstreitkräfte habe das Zusammenspiel von Panzerverbänden und Drohneneinheiten „höchste Bedeutung“, sagte er. In Litauen wurde das Zusammenwirken von Panzern und Drohnen, Drohnenabwehr sowie elektronische Kampfführung geübt.

 

Am Konzept eines eigenständigen Drohnen-Regiments gibt es Kritik. Denn gerade der Krieg in der Ukraine zeigt, daß Drohnen allgegenwärtig sind, weshalb auch ihre Abwehr allgegenwärtig sein muß – also unmittelbar bei der kämpfenden Truppe, die in der Ukraine inzwischen über eine Vielzahl von Abwehrmitteln verfügt. Eine feste Anti-Drohnen-Einheit, noch dazu in der Größe eines Regiments, die zentralisiert nur einen bestimmten Teil des Kriegsschauplatzes abdecken könnte, ist dafür die falsche Struktur.

 

In der Ukraine tragen Drohnen erheblich zu den Verlusten beider Kriegsparteien bei. Pistorius und seine Planer warnen allerdings davor, einen möglichen NATO-Rußland-Krieg mit dem dortigen Konflikt gleichzusetzen. Unbemannte Systeme erweiterten das Waffenspektrum, könnten jedoch Panzer, Flugzeuge oder Kriegsschiffe nicht vollständig ersetzen. (he)

 

Bildquelle: US Air Force/Gemeinfrei

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