Seit einem Jahr: Kampf gegen die „grooming gangs“ von Nürnberg

Seit einem Jahr: Kampf gegen die „grooming gangs“ von Nürnberg
Foto: Symbolbild

Nürnberg. Am Nürnberger Nelson-Mandela-Platz ermittelt die Polizei seit Herbst 2025 gegen ein Netzwerk, das minderjährige Mädchen mit Zuwendung und Drogen in sexuelle Abhängigkeit bringen soll. Die Tatverdächtigen sind überwiegend Männer syrischer Herkunft, außerdem Nordafrikaner und Afghanen. Der Kampf ist mühsam, aber es gibt Erfolge: 19 Haftbefehle gegen Männer zwischen 16 und 43 Jahren wurden bislang erwirkt; ein serbischer Tatverdächtiger wurde abgeschoben. Nach Einschätzung der Polizei könnte die Zahl der Beteiligten jedoch im mittleren zweistelligen Bereich liegen. Beobachtern kommt der Vergleich mit den berüchtigten „grooming gangs“ in den Sinn, die in Großbritannien über Jahre hinweg systematisch Tausende meist weißer Minderjähriger mißbrauchten. Die Täter waren meist Pakistaner.

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Ausgangspunkt der Ermittlungen war die zunehmende Präsenz von Drogenhändlern rund um den Hauptbahnhof und den Nelson-Mandela-Platz. Im Herbst 2025 wurde eigens die Einsatzkommission „Eko Kajal“ ins Leben gerufen. Nach der Teillegalisierung von Cannabis nahm der offene Handel nach Angaben von Polizeisprecher Michael Petzold stark zu. Bei Kontrollen stießen die Beamten auf Mädchen, die zunächst dem Drogenmilieu zugerechnet wurden. Hinweise und Anzeigen wegen sexueller Übergriffe führten dann zu weitergehenden Ermittlungen.

Nach Darstellung der Polizei folgt die Anbahnung häufig einem ähnlichen Ablauf. „Die Männer, es sind aber auch Jungs mit erst 16 Jahren dabei, schenken den Mädchen Aufmerksamkeit, Kosmetika, teure Klamotten“, sagt Petzold. Dazu kommen Komplimente, gemeinsamer Marihuanakonsum und später Crystal Meth. „Und dann kommt die erste Ladung Crystal. Umsonst.“ Später werden Drogen gegen sexuelle Handlungen verlangt. Als Gegenleistung werden Crystal, Marihuana oder auch geringwertige Gegenstände angeboten.

Bei den Opfern handelt es sich teilweise um 14- und 15jährige Mädchen. Viele stammen laut Polizei aus schwierigen sozialen Verhältnissen, haben bereits Marihuana konsumiert und Erfahrungen mit Gewalt, Mißbrauch oder instabilen Familienverhältnissen. Einige leben in Pflegefamilien oder Jugendhilfeeinrichtungen. Die Ermittler berichten zudem von Fällen, in denen Mädchen in Wohnungen oder Flüchtlingsunterkünfte gelockt und dort von mehreren Männern vergewaltigt wurden. Teilweise erlitten die Opfer schwere Verletzungen.

Die Ermittlungen werden von Staatsanwaltschaft, Jugendamt, Streetworkern, Drogenhilfen und Jugendgericht begleitet. Einige der betroffenen Mädchen konnten außerhalb Nürnbergs untergebracht werden; hinzu kommen Präventionsmaßnahmen an Schulen.

Die Polizei beobachtet weiterhin das Umfeld. Einen Tatverdächtigen konnten Beamte festnehmen, nachdem er bei der Flucht in einen Stadtmauergraben sprang. Bei ihm wurden Medikamente gefunden, die nach Polizeiangaben auch den Mädchen verabreicht worden sein sollen.

Am Nelson-Mandela-Platz hat sich die Szene inzwischen zerstreut. „Aber wir wissen, wo die Täter jetzt sind“, sagt Petzold. Die Polizei will ihre Ermittlungen fortsetzen: „Wir geben keine Ruhe, bis wir den Sumpf ausgetrocknet haben.“ Beklemmend, daß es solche Biotope überhaupt gibt – und Nürnberg mit seiner vergleichsweise überschaubaren Szene ist wohl nur die Spitze des Eisbergs. (rk)

Bild: Pixabay/gemeinfrei

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