Sanae Takaichi macht ernst: Japan verschärft Migrationspolitik
Tokio. Japan erhöht die Hürden für Ausländer: höhere Visagebühren, strengere Aufenthaltsregeln und deutlich mehr Kapital, das ausländische Unternehmer vorweisen müssen. Zugleich wächst im Land der aufgehenden Sonne der Widerstand gegen weitere Zuwanderung. Besonders an der rund 3.000 Personen umfassenden kurdischen Gemeinschaft wird das „gaikokujin mondai“, das „Ausländerproblem“, festgemacht.
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Grund dafür sind unter anderem Auseinandersetzungen zwischen kurdischen Gruppen in Kawaguchi. Vor den Lokalwahlen im Februar forderte Toshikazu Nishiuchi von der Rechtspartei Nippon Tou: „Wir brauchen keine Ausländer!“ Später sagte er über die Kurden: „Die Kurden sind viel mehr geworden, und es hört nicht auf. Und sie sind kriminell.“
Vakkas Colak, Lehrer und Vorsitzender der Kurdischen Organisation für Kulturellen Austausch in Japan, beschreibt die Folgen des veränderten politischen Klimas. „Das Ironische am Vorurteil ‚Ausländer arbeiten nicht‘ ist: so ziemlich alle Ausländer kommen nach Japan, um zu arbeiten.“ Colak befürchtet, daß ein Teil der kurdischen Bevölkerung das Land infolge des Stimmungswechsels verlassen könnte.
Premierministerin Sanae Takaichi betont zwar den Bedarf an ausländischen Arbeitskräften, verbindet dies jedoch mit einer härteren Linie in Sachen Migration. „Es ist wahr, daß einige Ausländer verbotene Dinge tun und Regeln brechen und daß dies zu Situationen geführt hat, in denen sich die Öffentlichkeit unwohl und unfair behandelt fühlt.“ Ende 2025 war sie mit dem Versprechen einer „Null-Toleranzpolitik“ gegenüber Ausländern angetreten. Anders als hierzulande die Merz-Regierung ist sie offenbar gewillt, ihren Ankündigungen Taten folgen zu lassen.
Seither wurden etliche Vorschriften verschärft. Ausländische Unternehmer müssen für ein entsprechendes Visum inzwischen rund 160.000 Euro Kapital nachweisen – das Sechsfache der bisherigen Summe. Die Gebühren für Touristenvisa wurden verfünffacht. Auch der Erwerb von Land durch Ausländer wird in Frage gestellt. Die Nachrichtenagentur Kyodo prognostiziert: „Der Trend, daß Ausländer Japan verlassen, könnte sich durch verschärfte Visabestimmungen beschleunigen.“
Betroffen sind auch ausländische Unternehmer, deren Geschäfte etwa von Indonesiern, Singapurern oder Äthiopiern aufgebaut wurden. Mit den neuen Anforderungen für die Verlängerung von Unternehmervisa könnten sie gezwungen sein, Japan zu verlassen. Zugleich wird über eine generelle Obergrenze für Einwanderer diskutiert. Dabei liegt der Anteil ausländischer Einwohner trotz des jüngsten Anstiegs erst bei gut drei Prozent.
Toshihiro Menju vom Japanischen Zentrum für Internationalen Austausch warnt vor möglichen wirtschaftlichen Folgen: „Ohne mehr Einwanderung wird Japans Gesellschaft allmählich dysfunktional“. Ausländer arbeiteten in Supermärkten, Hotels, Restaurants, auf Baustellen und in Pflegeheimen. Die Mehrheit der Japaner sieht das anders: eine Umfrage der Universität Tokio ergab zuletzt, daß 56,3 Prozent der Japaner weitere Zuwanderung ablehnen. 2024 lag der Anteil noch um mehr als 20 Prozent niedriger. (mü)
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