Polnischer EU-Abgeordneter: „Nord Stream wird wieder in Betrieb genommen“

Polnischer EU-Abgeordneter: „Nord Stream wird wieder in Betrieb genommen“
Foto: Symbolbild

Lubmin. Erstaunliches aus Polen: der polnische EU-Abgeordnete Grzegorz Braun hat sich für eine Wiederaufnahme russischer Gaslieferungen über Nord Stream ausgesprochen. Bei einem Treffen mit Vertretern der AfD im vorpommerschen Lubmin forderte der Vorsitzende der Rechtspartei „Konföderation der Polnischen Krone“ (besser bekannt als Konfederacja), Polen solle sich künftig an dem deutsch-russischen Energieprojekt beteiligen, statt es zu boykottieren.

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Braun weiter: „Nord Stream 1 und wahrscheinlich auch Nord Stream 2 werden wieder in Betrieb genommen werden. Russisches Gas wird in den Westen fließen“, sagte Braun. Europa sei auf russische Rohstoffe angewiesen, deren Ausbleiben erhebliche wirtschaftliche Folgen haben könne. Warschau müsse deshalb eigene Interessen verfolgen: „Polen sollte sich beteiligen, statt zu boykottieren. Polen sollte die Initiative ergreifen.“ Konkret brachte er einen polnischen Einstieg als Anteilseigner ins Gespräch. Andernfalls drohe dem Land ein wirtschaftlicher Nachteil, falls russisches Gas wieder nach Europa fließe, Polen bei den Transportwegen jedoch umgangen werde.

Braun plädierte zugleich dafür, die Beziehungen zwischen Polen, Deutschland und Rußland zu „normalisieren“ und zu „deeskalieren“. Auch Kohle solle stärker genutzt werden; bei Öl und Gas müsse die Beschaffung günstiger Angebote im Vordergrund stehen.

Lubmin ist ein zentraler Standort der deutschen Infrastruktur für Nord Stream. Beide Pipelines wurden im September 2022 durch Explosionen in der Ostsee beschädigt. Nord Stream 1 hatte zuvor russisches Gas nach Deutschland transportiert. Nord Stream 2 war fertiggestellt, ging aber nie in Betrieb, weil die Bundesnetzagentur schon vor der Regierungsübernahme durch die „Ampel“ das Zertifizierungsverfahren verweigerte.

Der russische Präsident Wladimir Putin warb wiederholt für die Nutzung des noch unbeschädigten Strangs von Nord Stream 2. Damit könnten „unverzüglich 27,5 Milliarden Kubikmeter Gas Europa erreichen“, erklärte er. 2024 fragte Putin in Wladiwostok: „Warum tun sie das nicht? Ich kann es einfach nicht verstehen.“ Die Weigerung aus Berlin bezeichnete er als „Wahnsinn, einfach Unsinn“.

Die Position des Europaabgeordneten Braun ist politisch ungewöhnlich: die nationalistisch ausgerichtete, katholisch geprägte und EU-skeptische Konfederacja steht in der alten polnischen Tradition einer ausgeprägten Russophobie, und Polen gehörte von Anfang an zu den maßgeblichen Saboteuren am Nord Stream-Projekt. Brauns Plädoyer für eine Annäherung an Moskau könnte Auftakt einer politischen Akzentverschiebung im nationalistischen Lager Polens sein. (mü)

Bild: Pixabay/gemeinfrei

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