Polen eskaliert: Künftig Abschuß von Flugzeugen auch ohne Sichtkontakt
Warschau. Polen bleibt seiner traditionellen Rolle als geopolitscher Brandbeschleuniger treu – diesmal im neuen Kalten Krieg gegen Rußland. Warschau hat nun die Einsatzdoktrin für seine Kampfflugzeuge dramatisch modifiziert. Demnach sollen verdächtige Flugobjekte künftig auch ohne unmittelbaren Sichtkontakt abgeschossen werden können. Eine solche Regelung galt innerhalb der NATO bislang grundsätzlich nur als Maßnahme für den Kriegsfall.
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Besonders relevant ist diese Änderung für den Raum um Kaliningrad (Königsberg). Die heutige russische Exklave grenzt unmittelbar an Polen und Litauen. Die neue Vorgabe ist im Kontext mit zunehmenden NATO-Aktivitäten zu sehen. NATO-Staaten haben zuletzt ihre Aufklärung und Luftüberwachung in der Region massiv verstärkt. Bei einem Manöver am Dienstag wurden rund 25 Flugzeuge und weitere Luftfahrzeuge eingesetzt. Dazu gehörten US-Kampfhubschrauber vom Typ „Apache“, Tankflugzeuge und eine AWACS-Aufklärungsmaschine. Über der Ostsee operierte zudem ein britisches Seeaufklärungsflugzeug vom Typ P-8A „Poseidon“.
Besondere Aufmerksamkeit galt dem Einsatz einer US-amerikanischen EA-37B „Compass Call“. Das erst seit 2025 eingesetzte Flugzeug dient der elektronischen Kriegführung. Die auf einem Gulfstream-Geschäftsflugzeug basierende Maschine kann gegnerische Radar- und Kommunikationssysteme aufklären und durch elektronische Gegenmaßnahmen stören oder beeinträchtigen. Ihr Einsatz im Umfeld Kaliningrads verleiht den NATO-Luftaktivitäten in der Region zusätzliche Brisanz.
Moskau richtete denn auch eine unmißverständliche Warnung an die Adresse des westlichen Militärbündnisses. Rußland wirft der NATO einen „gefährlichen und rücksichtslosen Kurs“ vor und spricht von einem „hohen Risiko des Ausbruchs eines direkten bewaffneten Konflikts“. Nach einem der Nachrichtenagentur Reuters vorliegenden russischen Dokument kündigt Moskau für den Fall einer militärischen Isolierung Kaliningrads den Einsatz des gesamten verfügbaren Streitkräftepotentials an – einschließlich Atomwaffen. Allerdings waren die bisherigen Ankündigungen aus Rußland meist nur rhetorischer Natur.
Das Schreiben nennt zudem die Möglichkeit „russischer Angriffe auf Entscheidungszentren in den Mitgliedstaaten des Bündnisses von Beginn des Konflikts an“. In den russischen Planungsstäben herrscht die Einschätzung vor, die NATO könnte versuchen, die Verbindung Kaliningrads zum übrigen russischen Staatsgebiet unterbrechen. (mü)
Bildquelle: Pixabay/gemeinfrei
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