Millionen Corona-Nebenwirkungen: Gekündigter BKK-Vorstand meldet sich zurück

Millionen Corona-Nebenwirkungen: Gekündigter BKK-Vorstand meldet sich zurück
Foto: Symbolbild

Bergkirchen b. München. Im Februar 2022 veröffentlichte Andreas Schöfbeck, damals Vorstand der gesetzlichen Krankenkasse BKK ProVita, einen Brief mit Zahlen zu möglichen Impfnebenwirkungen nach Corona-Impfungen. Wenige Tage später verlor er seinen Posten. Jetzt hat sich der heute 63jährige erstmals wieder ausführlicher zu Wort gemeldet. Im Gespräch mit dem unabhängigen Format „Multipolar“ erklärt er, warum er damals handelte und weshalb er den Schritt erneut gehen würde.

  Abonniere jetzt:
>> Die starke Stimme für deutsche Interessen <<

Ausgangspunkt seiner Wortmeldung waren 2022 Daten von rund 70 Betriebskrankenkassen. Das für die Impfstoffüberwachung zuständige Paul-Ehrlich-Institut (PEI) hatte für 2021 bundesweit 244.576 Verdachtsfälle von Impfnebenwirkungen registriert. In den BKK-Daten fanden sich dagegen bereits für rund 2,5 Quartale 2021 insgesamt 216.695 Patienten, die nach einer Corona-Impfung wegen Nebenwirkungen ärztlich behandelt worden waren. Bei rund elf Millionen BKK-Versicherten entsprach dies einer erheblichen Zahl.

Schöfbeck hatte die Untersuchung gemeinsam mit dem Datenanalysten Tom Lausen angestoßen. Aus den BKK-Zahlen leitete Lausen eine Hochrechnung von 2,5 bis drei Millionen Menschen in Deutschland ab, die damals wegen Impfnebenwirkungen ärztlich behandelt worden sein könnten. Dies hätte etwa vier bis fünf Prozent der Geimpften entsprochen. Schöfbeck verlangte daraufhin eine genauere Untersuchung der Daten.

Im Interview betont er, die Grundlage sei überprüft worden. Der damalige Vorstand des BKK-Dachverbandes habe eine Kontrolle durch Mitarbeiter des Controllings veranlaßt, die zum gleichen Ergebnis gekommen sei. Spätere Auswertungen der Techniker Krankenkasse und Zahlen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung hätten die Größenordnung ebenfalls gestützt. Zugleich verweist Schöfbeck auf eine mögliche Dunkelziffer: „Und wir sprechen nur von denen, wo die Ärzte eine Impfnebenwirkung erkannt und das dann entsprechend codiert haben. Wir wissen ja, daß es eine beträchtliche Dunkelziffer gibt, die die Ärzte gar nicht als Impfgeschädigte erkennen.“

Die Daten ließen allerdings keine Aussage darüber zu, wie schwer die einzelnen Erkrankungen waren oder ob dauerhafte Schäden zurückblieben. Deshalb habe er weitergehende Untersuchungen gefordert: „Natürlich kann ich in meiner Auswertung nicht sehen, wie schwer jede Diagnose war. Aber man könnte genau an dieser Stelle in tiefere Analysen einsteigen – das war mein Anliegen.“ Selbst bei einem Anteil leichter Reaktionen blieben erhebliche Fallzahlen zu klären, erklärte er.

Nach Beginn der Impfkampagne zur Jahreswende 2020/21 hatten Mitarbeiter Schöfbeck bereits 2021 von schweren Nebenwirkungen bei Versicherten berichtet. Auch eine Mitarbeiterin und seine Cousine seien betroffen gewesen; letztere habe sich davon nicht mehr erholt. Diese Erfahrungen hätten ihn zur genaueren Prüfung der Krankenkassendaten veranlaßt.

Auf seinen Brandbrief folgten zahlreiche Rückmeldungen. Schöfbeck berichtet von Ärzten, Physiotherapeuten und Hebammen, die ihm eigene Beobachtungen schilderten. Ein Arzt habe geschrieben, er habe in elf Monaten mehr Impfnebenwirkungen erlebt als sein Vater während mehr als 20 Jahren Tätigkeit in derselben Praxis.

Kurz nach Veröffentlichung des Briefes kam es zur Kündigung. Für den 1. März 2022 war ein Gespräch Schöfbecks mit dem damaligen PEI-Präsidenten Klaus Cichutek über die Daten vorgesehen. Für denselben Vormittag wurde jedoch zu einer außerordentlichen Verwaltungsratssitzung der BKK ProVita eingeladen. Gegen 13 Uhr wurde Schöfbeck nach eigener Darstellung fristlos gekündigt. Das geplante Gespräch mit dem PEI fand danach ohne seine Beteiligung statt.

Insgesamt erhielt Schöfbeck drei Kündigungen: eine außerordentliche und zwei ordentliche. Die ersten beiden wurden wegen Formfehlern gerichtlich aufgehoben; die BKK ProVita legte Berufung ein. Nach Schöfbecks Angaben steht eine Verhandlung vor dem Oberlandesgericht München noch aus. Auch seine betriebliche Altersvorsorge werde bislang nicht ausgezahlt.

Öffentlich äußerte er sich erst jetzt wieder, da sein Arbeitsvertrag ursprünglich bis Ende 2024 gelaufen wäre und er auf juristischen Rat während des Rechtsstreits geschwiegen habe. Heute lebt er überwiegend mit seiner Frau in Portugal und verbringt die Sommermonate teilweise in Südtirol. Seine damalige Entscheidung hält er weiterhin für richtig: „Ich habe das im Rahmen meines Auftrags als Vorstand der BKK ProVita gemacht, aus meiner Verantwortung für die Kasse, für unsere Versicherten und für meine Mitarbeiter. Deshalb würde ich diesen Brief wieder schreiben, das ist gar keine Frage.“ (rk)

Bild: Pixabay/Gemeinfrei

Fordern Sie hier ein kostenloses Leseexemplar des Deutschen Nachrichtenmagazins ZUERST! an oder abonnieren Sie hier noch heute die Stimme für deutsche Interessen!

Kommentare 0

Noch keine Kommentare. Schreiben Sie den ersten!

Kommentar schreiben

Keine Anmeldung nötig. Ihr Kommentar wird nach Prüfung durch die Redaktion freigeschaltet. Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Newsletter

Bleiben Sie ZUERST! informiert

Neue Ausgaben, Hintergründe und Angebote – direkt in Ihr Postfach. Kostenlos und jederzeit abbestellbar.