Längst überfällig: Die CDU vor dem Sturz in die Bedeutungslosigkeit
Berlin. Nur die Älteren erinnern sich noch an das Schicksal der italienischen Christdemokraten, der Democrazia Cristiana: 1994 löste sie sich selbst auf, nachdem sie von Silvio Berlusconis aufstrebenden Rechtspopulisten marginalisiert worden war.
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Dieses Damoklesschwert schwebt mittlerweile auch über der CDU. Die Wahlergebnisse und Umfragen der vergangenen Monate sind für die Christdemokraten in den neuen Bundesländern der Blick in einen politischen Abgrund. In Mecklenburg-Vorpommern verfehlte die CDU mit 4,9 Prozent erstmals die Fünf-Prozent-Hürde. In Brandenburg sackte sie laut einer aktuellen INSA-Erhebung auf neun Prozent ab. Zugleich gewinnt die AfD weiter an Boden: in Brandenburg erreicht sie inzwischen 40 Prozent, sechs Prozent mehr als vor einem halben Jahr.
Aber der Absturz beschränkt sich längst nicht mehr auf den Osten. Selbst in Nordrhein-Westfalen, dem bevölkerungsreichsten Bundesland, liegt die AfD in der Sonntagsfrage zur Bundestagswahl inzwischen mit 24 Prozent vor der CDU, die auf 22 Prozent kommt. Für ein West-Bundesland ist das eine veritable Sensation. Die Union ist auf dem besten Wege, von einer gesamtdeutschen Volkspartei zur westdeutschen Regional- und Splitterpartei zu werden.
Auch in Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt gerät die CDU unter Druck. In Sachsen-Anhalt sank ihr Ergebnis bei der Landtagswahl am 6. September von 37,1 Prozent im Jahr 2021 auf 17,2 Prozent – weniger als die Hälfte. Sachsen, einst eine Hochburg der Christdemokraten, wird in aktuellen Umfragen von der AfD mit 42 Prozent dominiert; die CDU erreicht dort nur noch 21 Prozent. In Thüringen stehen 22 Prozent für die Union einem AfD-Wert von 40 Prozent gegenüber.
Der Polit-Insider Einar Koch beschreibt die Entwicklung als drohenden Bedeutungsverlust: „Im Osten droht die Union in ein Gravitationsfeld zu geraten, in dem sie mathematisch immer unbedeutender wird.“ Weil die CDU eine Zusammenarbeit mit der AfD ausschließe, werde sie bei einstelligen Ergebnissen zum „bloßen Steigbügelhalter für linke Bündnisse“. Ihre Rolle als bürgerliche Kraft habe sie im Osten bereits an die AfD verloren, urteilt Koch. (se)
Bildquelle: Wikimedia/Olaf Kosinsky/CC BY-SA 3.0 de (Bildformat bearb.)
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