Kein Bock auf Krieg? Anträge auf Kriegsdienstverweigerung verdreifacht
Berlin. Die Zahl der Kriegsdienstverweigerer steigt sprunghaft. Von Januar bis August 2026 gingen beim Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben 12.102 Anträge ein. Allein die Hälfte davon entfiel auf die Monate Juli und August. Zum Vergleich: 2024 wurden im ganzen Jahr 2.249 Anträge registriert, 2025 waren es 3.879. Bis August dieses Jahres liegt die Zahl damit mehr als dreimal so hoch wie im gesamten Vorjahr.
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Seit Januar 2026 versendet die Bundeswehr Fragebögen zur Wehrerfassung an 18jährige, um potentielle Interessenten für den Wehrdienst zu identifizieren. Für Männer ist die Teilnahme verpflichtend, der Wehrdienst selbst bleibt freiwillig – zumindest offiziell noch. Tatsache ist, daß die Bundeswehr inzwischen damit begonnen hat, auch solche jungen Männer zur Musterung zu beordern, die im Fragebogen ausdrücklich kein Interesse am Wehrdienst bekundet hatten.
Neben Ungedienten können sich auch aktive Soldaten und Reservisten vom Dienst an der Waffe befreien lassen, sofern sie einen Gesinnungswandel überzeugend darlegen. „Unabhängig von der Aussetzung der allgemeinen Wehrpflicht bleibt das Recht, den Kriegsdienst mit der Waffe aus Gewissensgründen gemäß Artikel 4 Absatz 3 des Grundgesetzes zu verweigern, bestehen“, heißt es aus dem Bundesamt.
Die Bundeswehr will bis 2035 eine Truppenstärke von 260.000 erreichen, um ihre NATO-Verpflichtungen zu erfüllen. Ende August zählte sie 186.356 Soldaten. Jährlich werden 20.000 neue Rekruten benötigt, um das Ausscheiden von Zeitsoldaten und Pensionisten auszugleichen. Wenn die Verweigererzahlen weiter so steigen, dürfte daraus nichts werden. Verteidigungsminister Pistorius (SPD) wird dann nichts anderes übrigbleiben, als mit offenen Karten zu spielen und zu Zwangsmaßnahmen zu greifen. (rk)
Bild: Pixabay/gemeinfrei
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