Ermittlungen treten auf der Stelle: Wann schlagen die Strom-Saboteure wieder zu?
Berlin. Sechs Monate nach der Großrazzia gegen die mutmaßlichen Drahtzieher eines von mehreren Berliner Strom-Anschlägen stecken die Ermittlungen fest. Vier Beschuldigte sind weiterhin auf freiem Fuß, zugleich warnen Sicherheitsbehörden vor neuen Angriffen auf kritische Infrastruktur.
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Im September 2025 war der Technologiepark Berlin-Adlershof Ziel eines schweren Sabotageakts. Rund 50.000 Haushalte waren tagelang ohne Strom, der wirtschaftliche Schaden wird auf bis zu 70 Millionen Euro geschätzt. Die Ermittler ordnen den Anschlag dem militanten linksextremen Spektrum zu. Ende März folgte eine Großrazzia: rund 500 Polizisten durchsuchten gleichzeitig 15 Objekte in Berlin sowie weitere Adressen in Hamburg, Düsseldorf und Brandenburg. Mobiltelefone, Computer, Unterlagen und Datenträger wurden beschlagnahmt.
Im Mittelpunkt stehen vier Szeneangehörige. Die Ermittler bringen sie mit anarchistischen Strukturen in Verbindung. Einer war früher in München aktiv und gehörte zum Herausgeberkreis des Magazins „Zündlappen“, das Bekennerschreiben und Anleitungen zu Sabotageaktionen veröffentlichte. Nach seinem Umzug nach Berlin soll er Kontakte zu den späteren Mitbeschuldigten geknüpft haben. Weitere Verbindungen werden zum Umfeld des Autonomen-Zentrums in der Rigaer Straße 94 hergestellt.
Alle vier Linksextremisten bestreiten die Vorwürfe. Der Anwalt einer Beschuldigten erklärte Ende Juli, die Ermittlungsakte enthalte keine ausreichenden Hinweise auf eine „strafbare Beteiligung“. Erkenntnisse sprächen vielmehr „sehr deutlich dafür“, daß sich seine Mandantin zum Tatzeitpunkt weit vom Tatort entfernt aufgehalten habe.
Juristisch tritt das Verfahren auf der Stelle. Die Verteidigung hat gegen die Durchsuchungen und Beschlagnahmungen Beschwerde eingelegt. Seit Monaten wartet das Landgericht Berlin I auf eine belastbare Entscheidungsgrundlage. Die Ermittlungsakte ist inzwischen auf 25 Ordner angewachsen. Gericht und Generalstaatsanwaltschaft verweisen jeweils auf fehlende Unterlagen beziehungsweise ausstehende Stellungnahmen. Eine Sprecherin der Strafgerichte erklärte: „Solange die Akten hier nicht vorliegen, kann natürlich nicht über die Beschwerden entschieden werden.“
Der Landeschef der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Stephan Weh, kritisiert die Verschleppungstaktik: „Wir sind ehrlicherweise entsetzt, wie Gericht und Staatsanwaltschaft hier ständig die Verantwortung hin und herschieben.“ Die Ermittler hätten die Razzia akribisch vorbereitet. „Dieses Pingpong ist langsam absurd und weckt den Anschein, als habe man gar kein Interesse daran, Ermittlungen voranzutreiben.“ Ein Verdacht, der mit Blick auf das linke Berliner Biotop nicht von der Hand zu weisen ist.
Gleichzeitig warnen die Sicherheitsbehörden bereits vor weiteren Anschlägen. Die sogenannte Vulkangruppe droht erneut mit Sabotage und rief zum Ausbau „subversiver“ und „militanter“ Strukturen auf. Seit der jüngsten Wahl in Berlin, bei der sich eine linke bzw. linksextreme Mehrheit durchsetzen konnte, können sich Gruppen wie sie auf ein zunehmend wohlwollendes politisches Milieu verlassen. Eine Analyse des Bundesamtes für Verfassungsschutz registriert ein zunehmendes „Grundrauschen“ im militanten anarchistischen Spektrum. Befürchtet werden nun weitere Angriffe auf kritische Infrastruktur. Einer der Verdächtigen soll kürzlich mit einem Schlauchboot ein Umspannwerk an der Spree ausgespäht haben. (rk)
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