Der nächste Rückzug: US-Truppen verlassen den Irak
Bagdad/Washington. Die nächste krachende Niederlage der US-Supermacht: nach mehr als zwei Jahrzehnten endet das amerikanische Besatzungsregime im Irak. Beobachtern drängt sich der Vergleich zur überstürzten Flucht aus Afghanistan im Sommer 2021 auf. Nach Angaben eines irakischen Regierungsvertreters haben sämtliche amerikanischen Kampf- und Unterstützungskräfte mittlerweile das Land verlassen. Eine offizielle Bestätigung aus Washington steht noch aus. Der Abzug war 2024 zwischen Bagdad und Washington vereinbart worden.
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Zuletzt waren nach Angaben des Pentagons noch rund 2500 US-Soldaten im Irak stationiert. Ihre letzten Standorte lagen in Erbil in der Kurdenregion, nahe dem Flughafen von Bagdad sowie in der sogenannten Grünen Zone im Regierungsviertel der Hauptstadt.
Der Abzug erfolgt in einer angespannten Sicherheitslage und sieht die USA als eindeutigen Verlierer. Im aktuellen Krieg zwischen den USA und Iran wurde der Irak erneut zum Schauplatz des Konflikts. Hunderte Angriffe richteten sich gegen US-Einrichtungen und amerikanische Soldaten im Land, aber auch gegen Stellungen kurdischer Kräfte. Iran und mit Teheran verbündete irakische Milizen feiern den Abzug nun zu Recht als Erfolg.
In Bagdad wird das Ende der US-Militärpräsenz als „Tag der Unabhängigkeit“ begangen. Ab Mittwoch beginnen vier offizielle Feiertage, an denen staatliche Einrichtungen geschlossen bleiben.
Parallel zum Abzug sollten eigentlich die mit Iran verbundenen Milizen entwaffnet und in die staatlichen Sicherheitsstrukturen eingegliedert werden. Ministerpräsident Ali al-Saidi verschob dieses Vorhaben jedoch. Die Umsetzung ist nun für Juni kommenden Jahres vorgesehen. Auch der Irak wird spätestens mit diesem Schritt auch formell Teil des „schiitischen Korridors“, der sich inzwischen vom Iran bis ans Mittelmeer zieht. Auch diese Entwicklung konnte Washington nicht verhindern.
Die amerikanische Besatzung begann 2003 mit dem Einmarsch einer von den USA geführten Koalition und dem Sturz Saddam Husseins – wie üblich unter Vorspiegelung eines erfundenen Kriegsgrundes. Der damalige US-Außenminister Colin Powell hatte den Vereinten Nationen gefälschte Beweise für angebliche Massenvernichtungswaffen präsentiert und so die Militärintervention, die Entmachtung und schließliche Ermordung Saddam Husseins (2006) gerechtfertigt. Sie hatte das ehedem fortschrittliche Land in eine Ära des Chaos gestürzt. (mü)
Bildquelle: US Army/gemeinfrei
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