Der Beauty-Bonus in der Politik: Rechte sind attraktiver
Düsseldorf. Rechts ist nicht nur richtig, sondern offenbar auch schöner. Eine von der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ (FAS) ausgewertete Untersuchung des Soziologen Ulrich Rosar von der Universität Düsseldorf kommt zu dem Ergebnis, daß konservative und liberale Politiker häufiger als attraktiver wahrgenommen werden als ihre linken Konkurrenten.
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Für die Untersuchung wurden Menschen in mehreren Ländern Tausende Fotos ihnen unbekannter Politiker gezeigt. Anschließend verglichen die Forscher die Bewertungen mit Wahlergebnissen und Parteitagsdaten. Attraktivere Kandidaten erhielten demnach mehr Stimmen, hatten weniger Gegenkandidaten, benötigten weniger Wahlgänge und wurden häufiger in aussichtsreichen Wahlkreisen aufgestellt. Eine Ifo-Studie von 2023 kam zudem zu dem Ergebnis, daß gutaussehende Politiker höhere Nebeneinkünfte erzielen. Im Parlament gelangen sie häufiger in prestigeträchtige Führungspositionen und gelten eher als mutig, wenn sie von der Parteilinie abweichen.
Auch die Wähler verbinden äußere Attraktivität häufiger mit Intelligenz, Kreativität, Ehrlichkeit, Authentizität, Vertrauenswürdigkeit und Kompetenz. Fehler werden attraktiven Politikern eher verziehen, in Krisen erhalten sie mehr Unterstützung und Aufmerksamkeit. Die FAS schreibt dazu: „Nachteile wegen der Hautfarbe, des Geschlechts oder der sexuellen Orientierung werden oft besprochen. Häßlichkeit aber bleibt ein Tabu.“
Die Überholspur der Attraktiven beginnt früh: hübsche Kinder haben häufiger Freunde und bessere Schulnoten, Erwachsene verdienen mehr und werden öfter befördert. Und es gibt noch eine wichtige Korrelation: wer sich auf der Gewinnerseite sieht, empfindet die Gesellschaft eher als gerecht und neigt eher zu konservativen oder liberalen Parteien.
Auch zwischen den Parteien bestehen Unterschiede. im Europäischen Parlament wurden Konservative als 25 Prozent attraktiver als Sozialdemokraten bewertet, in Australien betrug der Abstand 32 Prozent, in Finnland 41 Prozent und in den USA 14 Prozent.
Panu Poutvaara vom Ifo-Zentrum für Migration und Entwicklungsökonomik hält es sogar für möglich, daß konservative Wähler vom Erscheinungsbild auf politische Überzeugungen schließen. Attraktivere unbekannte Kandidaten wurden in Tests häufiger rechts eingeordnet. Selbst linke Wähler bevorzugten attraktive Bewerber: „In unserer Studie haben wir herausgefunden, daß auch linke Wähler lieber besser aussehende Kandidaten gewählt haben, obwohl sie zu denen eine größere ideologische Distanz hatten.“ Eine skandinavische Auswertung der „American National Longitudinal Study of Adolescent Health“ ergab zudem: wer sich selbst als attraktiv einschätzte, war häufiger konservativ. (mü)
Bild: Pixabay/gemeinfrei
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